Tag-Archiv | Rezension

Unsterblich – Tor der Dämmerung

Das zweite Buch aus der Reihe von Jugendbuch-Dystopien, die ich vorstellen möchte, ist Julie Kagawas neueste Reihe. Julie Kagawa, bekannt für die Feen-Bücher, hat sich diesmal einer anderen Legende angenommen: Vampire. Richtig. Es ist ein Vampirroman.

Inhalt

IMAG1227-1Allison ist eine Unregistrierte. Weil sie keine Lust darauf hat, ständig den Vampirherrschern der City einen Blutzoll zu leisten, lebt sie lieber im Schatten der Gesellschaft – oft hungrig und einsam. Auf ihrer Suche nach Nahrung verlässt sie den schützenden Ring der Stadt und wird prompt von Verseuchten angegriffen und von ihnen gebissen. Doch dann taucht ein Vampir auf, der sie vor die Wahl stellt: weiterleben als Vampir oder weiterleben als Verseuchte. Sie entscheidet sich für das Vampirdasein. Jetzt ist sie selbst ein Wesen, das sie als Mensch abgrundtief gehasst hat.

Ein Buch über ein junges Mädchen, das unervermittelt zum Vampir wird und sich nun mit dieser neuen Lebenssituation zurechtfinden muss – nicht besonders neu. Neu ist das Außenherum. Allison lebt in einer Danach-Welt. Hier ist es ein „nach der Seuche“. Die meisten Menschen wohnen inzwischen im Schutz der Vampirstädte, weil ein Leben außerhalb zu gefährlich wäre. Außerhalb der Schutzmauern leben die Opfer der Seuche, die Verseuchten, weder lebendig, noch tot, aber dumm und aggressiv und außerdem hochansteckend. Manche würden vielleicht auch Zombies dazu sagen. Auf der anderen Seite gibt es die Vampire, die am ehesten eine Chance gegen die Verseuchten haben, weil sie natürlich viel schneller und stärker sind als Menschen. Gegen die Seuche sind aber auch nicht vollständig immun.

Die Vampire haben sich ein bequemes Leben eingerichtet. Ihre Opfer halten sie sich immer schön in der Nähe mit Versprechungen auf ein bisschen Wohlstand und Sicherheit. Dafür müssen sich die Menschen an gewisse Regeln halten. Lesen ist beispielsweise verboten. Willkürliche Menschenjagden stehen auf der Tages-, besser gesagt auf der Nachtordnung, auch wenn die Vampire sich gern ein bisschen menschenfreundlicher geben, indem die meisten Menschen einfach mit Blutabnahmen (dem Blutzoll) davonkommen.

Kein Wunder also, dass Allison die Vampire hasst, die die Menschen wie Nutzvieh halten. Zu blöd, dass sie nun selber einer ist.

Das Setting der Geschichte ist eigentlich spannend. Eigentlich, denn das ist es auch bei Kagawas Feen-Büchern. An was es mangelt?

Allison, die Vampirbraut

…hat mich leider nicht überzeugt. Natürlich ist eine Person, die elternlos und in einer zerstörten Umgebung aufwächst, nicht unbedingt eine liebreizende Person, sondern zwangsläufig irgendwie mürrisch und einzelgängerisch. Aber Allison blieb doch ein sehr dünn beschriebenes Blatt Papier. Weil das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist, muss Allison als Figur aber tragen können. Denn wir Leser müssen uns ja mit ihr herumschlagen. 600 Seiten sind eine lange Zeit.

Bis Allison auf eine Gruppe von Menschen trifft, die auf der Suche nach „Eden“ sind, bleibt die Geschichte auch merkwürdig ziellos. Allison hat keine Lust auf Vampirgesellschaft, deswegen schlägt sie sich durch die Pampa. Was für ein Glück für den Leser, dass sie sich der Menschengruppe anschließt und wieder ein bisschen Interaktion in die Geschichte kommt. Wie Allison versucht, sich als Mensch auszugeben und wie sie einem der jungen Männer der Gruppe näher kommt, macht dann den Rest des ersten Buches aus. Dazu ein bisschen „wie können wir die Seuche bekämpfen“ und ein bisschen „Suche nach einem Ort, wo Menschen sicher leben können“.

Das Ende vom Lied

Die Geschichten von Kagawa, habe ich den Eindruck, sind gerade so an der Grenze zur Langeweile. Ich wollte schon wissen, wie es weitergeht, aber gleichzeitig war es beschwerlich, mich durch die vielen Seiten durchzukämpfen. Ich habe gerade so durchgehalten. So eine Art von Geschichte ist das.

Zusammengefasst: Das Setting ist stark, die Geschichts- und Charakterentwicklung aber schwach und oberflächlich. Außerdem viel Teenagergesülze, dazu ein ordentlicher Schuss Grausamkeit. Muss man nicht lesen, es schadet auch nicht wirklich viel. Eine gute Inhaltszusammenfassung tut es aber auch.

Advertisements

Angelesen: Das Licht hinter den Wolken (Oliver Plaschka)

Wenn Klett-Cotta einen neuen Fantasy-Titel auf den Markt wirft, ist es Zeit, da einmal einen Blick hineinzuwerfen. Vor allem dann, wenn es sich um einen deutschen Autor handelt. Klett-Cotta – bzw. die Hobbit-Presse – steht für Fantasy à la Tolkien: gut durchdachte Geschichten und ein ausgefeilter Schreibstil. Klett-Cotta steht für Namen wie Tad Williams und Patrick Rothfuss.

Licht hinter den Wolken_Klett-cottaIm März 2013 hat die Hobbitpresse „Das Licht hinter den Wolken – Lied des Zwei-Ringe-Lands“ von Oliver Plaschka herausgebracht, einen Autor, der schon mit „Die Magier von Montparnasse“ bei ihnen vertreten ist. Ein neues deutsches Schreibtalent?

April gegen den Rest der Welt

April will vor allem eines: Sie will Geschichte schreiben! Zum Glück hat sie eine Gabe, die sie zum Zauberschwert „Schneeklinge“ führt, das seit Jahrtausenden in einem alten Schloss versiegelt war. Von nun an ist sie unbesiegbar und kann die Schatten aus ihrer Vergangenheit endlich hinter sich lassen. Zusammen mit Jenner, einem halbmenschlichen Faun, macht sie sich daran, ihren Ruf aufzubauen.

Eine Bank ausrauben? Eine Post überfallen? Oder vielleicht den Widerstand gegen das marode Kaiserreich anführen? April stehen viele Möglichkeiten offen und einem geneigten Leser mag vielleicht auffallen, dass es mit der Moral bei April nicht weit her ist.

Die Kindheit war’s

Als Leser begleiten wir April schon von frühester Kindheit an und merken recht schnell, dass Anderssein in einem kleinen Dorf nicht unbedingt von Vorteil ist. Vor allem dann, wenn die Mutter tot ist und der Vater das Kind nur hasst. Irgendwann wehrt sich April gegen die gewalttätigen Übergriffe anderer und heraus kommt: eine nicht eben schuldbewusste junge Erwachsene.

Ganz ehrlich, mich fasziniert nicht so sehr, wie die Geschichte weitergeht, als vielmehr, wie April sich entwickelt. Sie ist an einigen Stellen der Geschichte schon fast überschwänglich unmoralisch im Sinne von: „Mir hat man Böses getan, also darf ich es auch“. April wirkt durch ihre mangelnde Reflexion, was sie da manchmal eigentlich denkt oder tut, herzlos und egoistisch.

Jenner, ihr Begleiter und aufgrund seines Schwertes auch „Banneisen“ genannt, ist ebenfalls nicht unbedingt von der Sorte, dem man seine Kinder anvertrauen würde. Aber seine Handlungen sind zielgerichtet. Kann er April beeinflussen?

Der geheimnisvolle Hintergrund

Und dann ist da noch Cassiopeia. Sie musste Schreckliches mit ansehen und Verrat erdulden – doch sie entscheidet sich für einen anderen Weg zu Macht und Stärke. Sie geht an die berühmte Kampfakademie von Leiengard. Wie passt sie und ihr Teil der Geschichte zum Rest? Bisher kann ich das noch nicht absehen. Ich bin gespannt.

Im Hintergrund agiert der Zauberer Sarik. Die Magie ist fast aus der Welt verschwunden und außerdem lauert da noch ein alter Feind, den es zu besiegen gilt. Wie hängt April mit diesem Teil der Geschichte zusammen?

Ein würdiger Klett-Cotta?

Ja! Wir haben hier eine gut aufgebaute Geschichte mit mehreren Erzählsträngen und -ebenen, wir haben einen Stil, der nicht bloß Wort an Wort reiht – und dann stellt mich Oliver Plaschka auch noch vor das große Rätsel, warum er die Tempora ändert. Welche Struktur steckt dahinter?

Fazit: Bisher ein interessanter und gut geschriebener Fantasy-Roman, der nicht ganz den üblichen Bahnen folgt.

(Bildrechte: Klett-Cotta)

Rezension: Drachenkämpfer (Robin Hobb)

Nun ist es ja auch schon wieder einige Monate her, seit „Drachenkämpfer“, die Fortsetzung zu „Drachenhüter“, erschienen ist. Ich habe den Band mit den prophetischen Worten meiner Freundin im Hinterkopf gelesen, die da lauteten: „Du wirst schon merken, dass er Schwachstellen hat.“ Wie jetzt? Ein Roman von Robin Hobb mit Schwachstellen?! Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber sehen wir selbst.

Inhalt

Alise, Thymara und Sintara, die Drachin, sind zusammen mit den anderen Hütern und Drachen auf dem Weg nach Kelsingra, der legendären Stadt der Altvorderen. Doch nicht alle haben das Wohl der verkrüppelten Drachen im Kopf. Manche von ihnen wurden heimlich angeheuert, um die wertvollen Körperteile der Drachen einzusammeln, sei es von den Lebenden oder Toten. Während im Hintergrund die skrupellosen Plünderer lauern, sind die Hüter uneins.

Vornehmlich ist dieser Band dem Wachsen gewidmet. Dem Wachsen der verkrüppelten Drachen, dem Wachsen der Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Und der Liebe. Ja, der Liebe.

Stetig vorwärts

Die Geschichte ist linear aufgebaut, Handlungsort ist der Regenwildfluss. Da bleibt wenig Platz für Abwechslung, aber stattdessen mehr Raum für die Entwicklung der Figuren. Und ja, das heißt nicht nur Tiefe der Charaktere, sondern manchmal auch das Genervtsein des Lesers über die neuerlichen Selbstmitleid-Phasen einiger Figuren.

Thymara, der man irgendwie die Pubertät anmerkt, weil sie zu stur und trotzig ist, um manche Dinge auch von einer anderen Seite her zu überdenken.

Alise, die viel zu naiv für die Welt ist und so lange Zeit aus ihrer ängstlichen Haut nicht herauskann, dass man ihr nur zu gern einen Schubs geben möchte.

Sedric, der völlig verblendet ist von seiner Liebe und zudem ein völliges Weichei.

Und natürlich Sintara, die arrogante Drachin. Von ihr liest man in diesem Band viel zu wenig, finde ich. Zumindest bleibt sie hinter den anderen Figuren deutlich zurück.

Da kommt die Angst auf: Werden sie sich je zusammenreißen?

Das Blatt wendet sich

Auch wenn viel (zu viel) Beziehungskram thematisiert wird und der Handlungsort immer derselbe bleibt, passiert einiges Beeindruckendes. Der Spannungsaufbau ist weiterhin vorhanden und findet einen großartigen Abschluss. Keine der Figuren befindet sich im selben Status wie am Anfang – jede hat gewisse Dinge für sich akzeptiert, sich weiterentwickelt und ist stärker geworden. Vermutlich brauchte es dafür viele der sentimentalen Phasen, die sich durch das Buch ziehen: um am Ende dem Leser vor Augen führen zu können, wie sehr sich Thymara, Sedric und Alise verändert haben. Somit wird die Schwäche des Buches gleichzeitig zu seiner Stärke. Also ja: Sie werden sich zusammenreißen.

Geheimnisse

In diesem Band offenbart sich neben den alten Namen der Drachen, die ich ja nun schon seit den Zauberschiffen verfolge, auch die Identität des Teermanns. Besonders für diejenigen, die die Zauberschiffe mit Interesse gelesen haben, die Maulkins Knäuel und dessen Schicksal mit Anteilnahme verfolgt haben, sollten die Regenwildnis-Chronik lesen. Man erfährt einiges über die Altvorderen und deren Entstehung, was natürlich einer der Hauptgründe für mich ist, das Buch weiterzulesen. Gut verteilt über das Buch werden einem neugierigen Leser wie mir immer wieder ein paar kleine Häppchen hingeworfen. Mehr davon, mehr! Mehr!

Vergleich zu den anderen Reihen

Nun, da ich selbst (fast) alle Geschichten von Hobb gelesen habe bzw. alle Welten kenne, kann ich einen guten Vergleich ziehen. Die Regenwildnis-Chroniken sind deutlich weiblicher geschrieben, was man nicht ganz damit entschuldigen kann, dass die meisten der Hauptfiguren weiblich sind. Das war in den Zauberschiffen schließlich auch der Fall. Ich nehme an, es ist vor allem Alise geschuldet, die sehr viel ängstlicher ist als die meisten von Hobbs Charakteren. Doch die Kulisse für ihre Sanftheit bildet die wohl härteste Umgebung, nämlich der Regenwildfluss. Und dieser Fluss ist definitiv ein Bonus, der sogar die „liebliche“ Seite der Chroniken ausgleichen kann. Bei keinem anderen Roman von ihr war ich so auf die Entdeckung dessen fixiert, was sich hinter der nächsten Kurve, hinter der nächsten Abzweigung verbirgt.

So lasse ich also alle schimpfen, diese Romanreihe reiche nicht an die anderen heran. Denn das stimmt nicht. In keinem anderen wurde eine solche Spannung allein dadurch erreicht, dass die Hauptcharaktere einen Fluss hinauffahren.

Fazit: Ein Roman, bei dem man sich manchmal über die Charaktere aufregen muss, der aber dennoch so viele interessante Handlungsstränge und Geheimnisse bereithält, dass man etwas verpasst, wenn man ihn nicht liest.

Erscheinungsdatum des dritten Bandes ist bisher noch nicht bekannt. Laut Heyne ist er noch nicht fest geplant, aber im Gespräch. Heißt wohl, der kommt dann erst in einem Jahr raus. „City of Dragons“ (Band 3) ist auf Englisch im Februar 2012 erschienen, der letzte Band („Blood of Dragons“) erscheint im Februar 2013.

Ausgelesen: Legende von Shannara 1 (Terry Brooks)

Es ist schon eine Weile her, dass ich Legende von Shannara – Die Hüter des schwarzen Stabes gelesen habe. Leider ist mir vieles dazwischen gekommen…. 😦 Krank sein ist doof, Umzug auch!

Legende von Shannara, Legende Terry Brooks

Terry Brooks, ein großer Name, auch ein großer Autor?

Zu Sider Ament und Panterra gesellen sich noch zwei weitere Charaktere, aus deren Sicht erzählt wird. Phryne, eine Elfe, und Deladion Inch, ein Mensch von außerhalb des Tals. Deladion Inch ist aufgrund seiner Herkunft neben Sider Ament einer der interessanteren Charaktere, aber mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht der Grund für sein Mitmischen.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Elfen mit ihrem lockeren Mundwerk kein sehr typisches Bild abgeben. Denn Anmut ist nicht unbedingt die Eigenschaft, mit der ich die mir bisher bekannten Elfen in dem Buch beschreiben würde. Sie unterscheiden sich meines Erachtens nicht wirklich von den Menschen. Interessant ist auch die fehlende Magie der Elfen. Normalerweise denkt man, dass diesen beiden Komponenten nicht getrennt sein können – in diesem Buch schon. Man kann also gespannt sein und miterleben, wie die Elfen ihre Magie wiederfinden. Was mir weniger einleuchtet, ist die Tatsache, dass immer wieder betont wird, sie seien in diesem abgeschiedenen Tal für sich isoliert. Denn diese Isolierung trat in meinen Augen kaum in Erscheinung.

Weiterhin zugute halte ich dem Autor, dass er nicht, wie der Klappentext beschreibt, die Suche nach einem magischen Gegenstand zum Hauptthema macht, sondern den Konflikt zweier sehr unterschiedlicher Welten. Dieser Konflikt trägt auch das Buch.

Wenig plausibel dagegen erschienen mir die Kinder des Hawk, oder besser: die Macht dieses religiösen Ordens. Wie kann ein Orden eine solche Macht haben, dass er Menschen das Andersdenken verbieten und sie zur Flucht aus ihrer Heimat treiben kann, ohne dennoch ein allgemeingültiges Dogmazu haben? Hier schien mir die Macht des Ordens in den verschiedenen sozialen Bereichen zu ungleich konstruiert.

Schreibstil, Storyaufbau, Charaktere: Alles in allem nicht weltbewegend. Ich gebe zu, irgendwo tief in meinem Inneren habe ich mich gepflegt gelangweilt. Nicht sehr, aber so mitreißend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, war es nicht. Die Charaktere mochte ich, aber mich verbindet auch keine besonders große Liebe zu ihnen.

An manchen Stellen sind mir auch Logikfehler aufgefallen, die sich aber weniger auf die Story als auf einzelne Sachen bezogen haben. Da war es einmal Herbst, ein andermal Frühling, Tag wechselte plötzlich zu Nacht – ich weiß nicht, ob man das Terry Brooks oder dem Übersetzer zu Lasten legen soll.

 Fazit: Shannara ist ein mittelmäßig mitreißender Roman mit einem Konflikt, der einiges erhoffen lässt.

Daher eher: Terry Brooks, ein großer Name, ein durchschnittlicher Autor. Vermutlich wäre mir überhaupt nicht aufgefallen, dass er mich nur mäßig mitreißt, hätte ich in dieser Zeit nicht auch noch sehr viel bessere Autoren gelesen. In einem Umfeld, wo es vor aufregenden Ideen und viel größerem Schreibtalent nur so wimmelt, kann Shannara schwerlich sehr gut abschneiden.

Angelesen: Die Räder der Welt (Jay Lake)

„Der Engel erstrahlte im Schein von Hethors Lesekerze so hell wie eine Messing-Maschine. In irrationaler Hoffnung griff der junge Mann nach seiner abgenutzten Bettdecke, als könnten die zusammengenähten Baumwollreste ihn vor der Macht schützen, die in seine Dachkammer eingefallen war.“ (S.7)

Ich habe es gefunden: ein Frühlingsbuch. 🙂 Und dazu eines, das mit einem wunderschönen Cover, einer interessanten Weltbeschreibung und diesem tollen ersten Satz aufwarten kann. Was will man mehr? Ach ja, richtig, die Geschichte sollte natürlich schon spannend sein.

Mit gerade mal 363 Seiten ist Räder der Welt nicht besonders dick, deswegen  erlaube ich mir schon jetzt – nach etwas über 50 Seiten – ein „Angelesen“.

Inhalt:

Mitten in der Nacht erscheint der Erzengel Gabriel in Hethors Dachkammer, um ihm einen großen Auftrag zu geben. Er soll den Schlüssel der Bedrohung finden, um mit ihm das Uhrwerk der Welt aufzuziehen – denn die Zeit gerät schon langsam aus den Fugen und hört bald ganz auf. Und wie immer bei solchen Aufträgen wird Hethor nicht gefragt, ob er überhaupt die Welt retten will. Denn eigentlich ist er nur ein Lehrling und seine Arbeitskraft ist im Besitz seines Lehnsherren und Meisters. Er kann nicht einfach in die Welt hinausstiefeln – aber Hethor weiß, er muss wohl doch irgendwie einen Weg finden.

Jay Lake hat eine Welt entworfen, in der die Erde an Zahnrädern durch das Weltall rollt und in der alles auf dem Prinzip dieser Verzahnung ausgerichtet ist. Etwa in das späte 19. Jahrhundert in eine Alternativrealität gelegt, wird sogar das Christentum komplett danach ausgerichtet. Nicht gekreuzigt wurde Jesus, sondern gerädert. Man schlägt ein Rad, wie die Katholiken in unserer Welt das Kreuz schlagen. Man trägt einen geräderten Jesus an einer Kette um den Hals. Am Himmel sind die zwei Messingschienen erkennbar, die sich wie Hörner in die Höhe krümmen und an denen Gottes Existenz sichtbar wird.

Ist das nicht genial?! Eine Alternativrealität, in der die Handlung in einem vom englischen Vizekönig regierten Connecticut spielt – und dazu noch mit diesem wunderbar erdachten Konstrukt! Ich bin begeistert.

Hin und weg

Und ich bin restlos begeistert, weil es Jay Lake versteht, richtig gut zu schreiben. Man hat das Gefühl, alle Wörter sind am richtigen Ort und ergänzen sich so, dass sie fast poetisch klingen. Ich mag das Buch langsam lesen, damit ich auch ja nichts von seinen tollen Beschreibungen verpasse.

Auch Hethor ist ein toller Charakter, der eher einem Entwicklungsroman des 19. Jahrhunderts entstiegen zu sein scheint als einem Buch der Moderne. Er wirkt wie ein ganz und gar durchdachter Charakter, der sehr gekonnt in seine Umwelt integriert ist.

Es ist alles stimmig, alles passt. Und die Welt ist atmosphärisch dicht.

Atmosphärische Dichte

Ich glaube, bei vielen Fantasyromanen bemängele ich die Abwesenheit solcher. Die Trudy-Canavan-Bücher litten unter einer Leere, die in etwa so weiß war wie das deutsche Buchcover. Ein bisschen ähnlich ergeht es mir mit dem Shannara-Buch, auch wenn es da wesentlich geringer auftritt. Sogar bei Heldenwinter hatte ich stellenweise das Gefühl, da müsste noch mehr sein. Positiv in dieser Hinsicht finde ich die Bücher von Robin Hobb, weswegen ich sie wohl auch so verehre. Dasselbe trifft auf Richard Schwartz zu und das, was ich bisher von ihm gelesen habe.

Tolkien ist nach wie vor das beste Beispiel, an dem man es erklären kann. Seine Bücher sind entstanden, weil er eine Welt brauchte, um seine Phantasie-Sprachen zu erproben. Aber diese Welt hatte 50 Jahre Zeit, sich zu füllen. Und das merkt man seinem Herrn der Ringe auch an.

Während viele der modernen Romane lediglich ein grobes Muster häkeln, gibt es wenige, die sich die Mühe machen, dicht und fest zu stricken, auch wenn nur ein Bruchteil davon zu sehen ist. Als Beispiele außer den oben genannten fallen mir da noch Robert Jordan und sein monumentales Rad der Zeit und G.R.R. Martins Lied von Eis und Feuer ein.

Genreverwirrung

Um noch mal einen Bogen zurück zu Räder der Welt zu schlagen: Hier hat es der Autor leichter. Er muss mehr abändern als erfinden. Aber das macht er sehr gut, ich bin erstaunt.

Genremäßig gehört das Buch in die Unterform des Steampunk, des sogenannten Clockpunk. (Name erklärt sich wohl von selbst.) Verwirrend finde ich die Einordnung. Ist es Fantasy? Ist es Science-Fiction? Ist Steampunk ein eigenes Genre? Das deutsche Wiki gliedert es in die Sci-Fi ein, das englische in die Fantasy und spekulative Fiktion – als „alternative Weltgeschichte“, die im deutschen Wiki wiederum zur Sci-Fi gehört, so wie ich das auch sehe.  Wie seht ihr das?

Angelesen: Die Legende von Shannara 1 (Terry Brooks)

Wie man meinem Post von diesem Montag entnehmen konnte, war ich Shannara gegenüber etwas kritisch eingestellt. Vermutlich hat das damit zu tun, dass mich Autoren wie Terry Goodkind und Markus Heitz trotz ihrer Berühmtheit ziemlich enttäuscht haben. Nach diesen gut einhundert Seiten habe ich aber festgestellt, dass ich mich zum Glück wohl geirrt habe.

Inhalt:

Pan und Prue sind sehr junge Fährtenleser mit besonderen Begabungen. Als sie aber dämonischen Wesen auf die Spur kommen und dem Rat davon erzählen, glaubt ihnen keiner. Denn sie sind jung und der Bericht ist zu erschütternd. Schließlich ist ihr Tal seit fünfhundert Jahren von der Außenwelt getrennt und eine Nebelbarriere schützt sie vor allem, was von draußen kommt. Doch auch der Träger des Schwarzen Stabs und Hüter der Grenzen, Sider Ament, hat bereits festgestellt, dass die Grenzen zu verblassen beginnen.

Doch weil Glaube und Tradition eine solche Wahrheit ausschließen, müssen Pru und Pan fliehen.

Die Charaktere

Panterra Qu und Prue Liss sind – zugegeben – noch relativ flach. Man erfährt ein bisschen über sie, aber sie sind nicht besonders außergewöhnlich. Eher wirken sie auf mich wie die typischen Fantasy-Helden: jung, unerfahren, aber irgendwie besonders begabt.

Aber sie sind, bisher, angenehme Charaktere, mit denen man sich durchaus anfreunden kann. Das liegt wohl zum Großteil daran, dass sie sehr erwachsen und unaufgeregt wirken. Die Perspektive stammt von Panterra, Pru bleibt insgesamt recht im Hintergrund. Aber Panterra ist keine Heulsuse und nicht wahnsinnig naiv. Ihr denkt, das sei selbstverständlich?

Ein großer Grund, warum ich Terry Goodkinds „Das Schwert der Wahrheit“ unerträglich fand, war das überemotionale Verhalten der männlichen Hauptfigur Richard.

Die Story:

Die Geschichte ist noch am Anlaufen. Ob und wie spannend sie wird, kann ich im Moment noch kaum abschätzen. Ich weiß nicht, in welche Richtung sie sich entwickeln wird.

Am Anfang des Buches passiert noch nicht besonders viel. Die Story scheint sich sehr langsam aufzubauen, denn der oben beschriebene Inhalt füllt die ersten einhundert Seiten. Was danach kommt, ist unbekanntes Land und ich bin gespannt. Die Geschichte plätschert also vor sich hin, nicht besonders schnell, aber auch nicht so langsam, dass sie unspannend wäre.

Shannara – Das Gesamtwerk

Die Legende von Shannara ist nur ein kleiner Teil einer bisher über zwanzigbändigen Reihe. Die Bücher bauen lose aufeinander auf, sind inhaltlich aber hauptsächlich durch das Zeitgeschehen verbunden. Die Legende von Shannara spielen zeitlich nach den „Die Großen Kriege“-Bänden (Genesis of Shanara Trilogy), stehen chronologisch also an dritter Stelle seiner Werke. Vorgänger von der Genesis-Trilogie sind die World&Void-Romane.

Allein, dass seine Werke einen so großen zeitlichen Raum einnehmen und man als Leser von Beginn einer Welt bis zu späteren Zeitaltern dabei sein kann, fasziniert mich ungemein. Ich schätze, wenn ich mir so seine Liste von Büchern anschaue, dass es bei einem Band nicht bleiben wird.

Fazit: Auch wenn ich bisher kaum etwas zu der Geschichte und den Charakteren sagen kann, weil sich alles recht langsam entwickelt, bin ich positiv überrascht. Terry Brooks betreibt solides Handwerk, wenn es auch nicht übermäßig kunstvoll ist.

Hat denn jemand von euch schon mal einen Shannara-Band gelesen?

Ausgelesen: Nacht über Villjamur – Legende der Roten Sonne (Mark Ch. Newton)

Nun habe ich es ausgelesen. Und weiß nicht so recht, wo und wie ich es einordne.

Zum einen sind da das interessante Setting und die unterschiedlichen Charaktere. Zugegeben, vor allem das Leben unter einer roten Sonne reizt mich besonders an diesem Buch. Aber… Weiterlesen