Archiv | Juni 2012

Ausgelesen: Lieder der Erde (Elspeth Cooper)

Ein junger Mann, eine große Begabung, eine Flucht. So hatte ich Elspeth Coopers „Lieder der Erde“ in meinem Angelesen beschrieben. Klingt recht banal.

Doch zum Glück wendet sich das Blatt, als Gair in Alterans Schule kommt und feststellt, dass sie eher einem großen Internat als einer kleinen exklusiven Hausschule ähnelt. Ich gebe gern zu, dass ich Internatsgeschichten mag. Durch ihre Ortsunflexibilität müssen sie mehr auf Beziehungen der Schüler untereinander bauen, die einem Buch durchaus mehr Spannung geben können als das Eilen von einem Ort zum nächsten. Hier wird der Autor viel mehr gezwungen, seinen Figuren einer Entwicklung auszusetzen.

Ist das hier geschehen? Nicht so ganz, finde ich. Man lernt vor allem, dass Gair sehr begabt ist. Das hat man schon vermutet und es gehört ja gewissermaßen auch zu einem typischen Repertoire. Es ist auch nicht uninteressant, herauszufinden, wie besonders eine Buchfigur ist. Dennoch hätte ich gehofft, dass Gair mehr Freundschaften schließt und mehr mit anderen Personen interagiert.

Am interessantesten neben Gairs Ausbildung ist wohl vor allem, dass sich zwei größere Hauptkonflikte abzeichnen. Zum einen sieht sich das Reich bedroht von rebellierenden Wüstenstämmen, weil es längst nicht mehr über seine alte Truppenstärke verfügt. Zum anderen ist da die Bedrohung der Verschmelzung zweier Welten, weil der schützende Schleier zwischen ihnen zu zerreißen droht. Durch verschiedene Akteure kann man als Leser die verschiedenen Handlungsstränge gut verfolgen und beobachten, wie sich langsam eine immer größere Gefahr aufbaut. Daher bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band.

Fazit: Sprachlich gut, aber nicht überragend, hat sich dieses Buch vor allem durch die Wahl eines festen Handlungsortes von anderen Reihen abgehoben. Gair ist ein solider Charakter, den man mögen kann und dessen Bestimmung ich zumindest interessiert verfolgt habe.

Info: „Lieder der Erde“ ist der Auftakt der auf vier Bände angelegten „Wild-Hunt“-Reihe. Im Juli kommt der zweite Band in den USA, während der deutsche noch bis zum 13. Februar 2013 auf sich warten lässt.

Elspeth Coopers Website

Ausgelesen: Legende von Shannara 1 (Terry Brooks)

Es ist schon eine Weile her, dass ich Legende von Shannara – Die Hüter des schwarzen Stabes gelesen habe. Leider ist mir vieles dazwischen gekommen…. 😦 Krank sein ist doof, Umzug auch!

Legende von Shannara, Legende Terry Brooks

Terry Brooks, ein großer Name, auch ein großer Autor?

Zu Sider Ament und Panterra gesellen sich noch zwei weitere Charaktere, aus deren Sicht erzählt wird. Phryne, eine Elfe, und Deladion Inch, ein Mensch von außerhalb des Tals. Deladion Inch ist aufgrund seiner Herkunft neben Sider Ament einer der interessanteren Charaktere, aber mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht der Grund für sein Mitmischen.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Elfen mit ihrem lockeren Mundwerk kein sehr typisches Bild abgeben. Denn Anmut ist nicht unbedingt die Eigenschaft, mit der ich die mir bisher bekannten Elfen in dem Buch beschreiben würde. Sie unterscheiden sich meines Erachtens nicht wirklich von den Menschen. Interessant ist auch die fehlende Magie der Elfen. Normalerweise denkt man, dass diesen beiden Komponenten nicht getrennt sein können – in diesem Buch schon. Man kann also gespannt sein und miterleben, wie die Elfen ihre Magie wiederfinden. Was mir weniger einleuchtet, ist die Tatsache, dass immer wieder betont wird, sie seien in diesem abgeschiedenen Tal für sich isoliert. Denn diese Isolierung trat in meinen Augen kaum in Erscheinung.

Weiterhin zugute halte ich dem Autor, dass er nicht, wie der Klappentext beschreibt, die Suche nach einem magischen Gegenstand zum Hauptthema macht, sondern den Konflikt zweier sehr unterschiedlicher Welten. Dieser Konflikt trägt auch das Buch.

Wenig plausibel dagegen erschienen mir die Kinder des Hawk, oder besser: die Macht dieses religiösen Ordens. Wie kann ein Orden eine solche Macht haben, dass er Menschen das Andersdenken verbieten und sie zur Flucht aus ihrer Heimat treiben kann, ohne dennoch ein allgemeingültiges Dogmazu haben? Hier schien mir die Macht des Ordens in den verschiedenen sozialen Bereichen zu ungleich konstruiert.

Schreibstil, Storyaufbau, Charaktere: Alles in allem nicht weltbewegend. Ich gebe zu, irgendwo tief in meinem Inneren habe ich mich gepflegt gelangweilt. Nicht sehr, aber so mitreißend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, war es nicht. Die Charaktere mochte ich, aber mich verbindet auch keine besonders große Liebe zu ihnen.

An manchen Stellen sind mir auch Logikfehler aufgefallen, die sich aber weniger auf die Story als auf einzelne Sachen bezogen haben. Da war es einmal Herbst, ein andermal Frühling, Tag wechselte plötzlich zu Nacht – ich weiß nicht, ob man das Terry Brooks oder dem Übersetzer zu Lasten legen soll.

 Fazit: Shannara ist ein mittelmäßig mitreißender Roman mit einem Konflikt, der einiges erhoffen lässt.

Daher eher: Terry Brooks, ein großer Name, ein durchschnittlicher Autor. Vermutlich wäre mir überhaupt nicht aufgefallen, dass er mich nur mäßig mitreißt, hätte ich in dieser Zeit nicht auch noch sehr viel bessere Autoren gelesen. In einem Umfeld, wo es vor aufregenden Ideen und viel größerem Schreibtalent nur so wimmelt, kann Shannara schwerlich sehr gut abschneiden.