Archiv | Februar 2012

Alte und Neue Götter

Ich habe Großes vor. Bis zum 15. März möchte ich A Storm of Swords und A Feast for Crows, die Bände 3 und 4 von A Song of Ice and Fire fertig gelesen haben. Denn da erscheint A Dance with Dragons als Taschenbuch. Nun, was steht denn zwischen mir und diesem Ziel: 1774 englische Seiten und lediglich ein Monat sowie zwei andere Bücher, die ich in der Zeit gelesen haben möchte.

Aber da ist mein Ziel und dahin will ich kommen:

Doch nun aber zum eigentlichen Thema: Immer wieder fällt mir auf, dass gerade in Fantasy-Büchern Religion eine bedeutend größere Rolle einnimmt als in anderen Genres. Dank meiner Nachforschungen weiß ich inzwischen auch, woran das liegt, aber trotzdem bleibt es ein spannendes Thema. Ich achte inzwischen besonders darauf, wie Religionen eingebaut und dargestellt werden.

Zugegebenermaßen fällt diese Darstellung in Das Lied von Eis und Feuer von G.R.R. Martin relativ flach aus. Man lernt als Leser schnell, dass es die alten Götter gibt und die neuen, die auch die Sieben genannt werden. Zusätzlich wird der Religion des Feuergottes eine immer tragendere Rolle zugewiesen.

Alte Götter: Inzwischen nur noch die Götter des Nordens, war diese Religion ursprünglich auf ganz Westeros verbreitet. Die Ersten Menschen, von denen auch die Starks abstammen, und die Kinder des Waldes haben diese Götter in den Götterhainen („Godswood“) angebetet.

Ursprünglich waren es die Götter der Kinder des Waldes. Als die Ersten Menschen vor etwa 12000 Jahren nach Westeros kamen, brach einKrieg mit den Ureinwohnern aus, weil die Ersten Menschen deren Götterhainen abgeholzt hatten. Die Kinder des Waldes waren der Magie mächtig, die Ersten Menschen dagegen stärker und mit besserer Technologie ausgestattet. Schließlich schloss man Frieden auf der Insel der Gesichter im See „Auge Gottes“. In dem darauffolgenden Zeitalter des Friedens wurden auch die Ersten Menschen zu Verehrern der Alten Götter. Wie man schon relativ früh erfährt (im ersten Buch, in der ersten Perspektive von Catelyn), haben diese alten Götter keine Namen.

Vor etwa 6000 Jahren eroberten die Andalen Westeros und brachten den Glauben der Sieben mit. Und das brachte natürlich Konflikte mit sich.

„Im Süden waren die letzten Wehrbäume schon vor tausend Jahren geschlagen oder niedergebrannt worden, nur nicht auf der Insel der Gesichter, wo die grünen Männer ihre stille Wacht hielten. Hier oben war es anders. Hier hatte jede Burg ihren Götterhain, jeder Götterhain hatte seinen Herzbaum und jeder Herzbaum sein Gesicht.“ (Die Herren von Winterfell, S. 31)

Und obwohl die religiöse Übernahme offenbar nicht ohne „Gewalt“ (und sei es nur gegen die Bäume) abgelaufen ist, ist ein Twist der beiden Religionen in der Reihe nicht bemerkbar. Die alten Götter haben den Anschein, als seien sie wilder und ursprünglicher, mehr mit der Natur verbunden – sie ist schließlich auch die Religion der Wildlinge hinter der Mauer und der mystischen Ureinwohner.

Neue Götter – die Sieben:

Diese Religion kann man als de Hauptreligion des Reiches ansehen, sie ist zudem stark institutionalisiert. Die Septe könnte man auch „Kirche“ nennen und deren Vertreter, die Septa und Septon, kann man wohl gut mit Mönchen und Nonnen vergleichen. Generell besitzt dieser Glaube ein ausgeprägtes moralisches System, das allerdings nur am Rande in den Büchern eine Rolle spielt.

Die Sieben, das sind Vater, Mutter, Krieger, Jungfrau, Krone, Schmied und Fremder. Verteilt werden die Attribute: Gericht/Gerechtigkeit, Mutterschaft/Nährung, Stärke in der Schlacht, Unschuld/Keuschheit, Weisheit, Handwerk/Arbeit, das Unbekannte.

In dieser Religion gibt es natürlich auch Gebete und Lieder, einige davon werden in den Büchern erwähnt.

Der Ertrunkene Gott: Dieser Gott wird auf den Eiseninseln verehrt und geht noch auf die Zeit vor der Invasion der Andalen zurück. Die Lehren gehen Hand in Hand mit dem Wesen der Piraterie, dem die Eisenmenschen sehr anhängen (sie haben ja auch kaum selbst etwas zum leben). Sein Widersacher ist der Sturmgott, der Kampf gegen ihn dauert schon Ewigkeiten an.

Der Feuergott R’hllor, der Herr des Lichts, Herz des Feuers, Gott der Flammen und des Schattens: Diese Religion aus Essos, dem Kontinent östlich von Westeros, hat nur wenige Anhänger in Westeros, was vielleicht mit der Erscheinung der Roten Priester zusammenhängt, welche sich ausschließlich in Rot kleiden und zudem rote Augen haben. (Zumindest deren bekannteste Priesterin, Meliasandre.) R’hllor, der Gott von Wärme, Leben und Licht, liegt in ewigen Kampf mit dem Großen Anderen, dem Gott des Eises, der Dunkelheit und des Todes, dessen wahrer Name nie ausgesprochen wird. In einer alten Prophezeiung wird das Wiederkommen des Lichtbringers Azor Ahai erwähnt, diesen glaubt Meliasandre gefunden zu haben.

Diese vier Religionen haben Anteil an der Geschichte, in größerer und kleinerer Form. Die Religion von R’hllor wird zunehmend aggressiver, je mehr Macht Meliasandre gewinnt. Da ihr das Herz eines Königs gehört, kann sie ihre Macht auch ohne Weiteres ausbreiten. Im Gegensatz zu dem Glauben der Sieben hat dieser Gott (bzw. seine Priesterin) seine Macht auch schon unter Beweis stellen können. Ebenfalls machtvoll scheinen die alten Götter zu sein, auch wenn diese wenig personalisiert sind. Generell scheint dort, wo die Religionen wilder und ursprünglicher sind, auch mehr Magie im Spiel zu sein, die hier vielleicht gleichzusetzen ist mit der Macht der Götter.

Nicht immer ist das, was man auch in Fantasy-Büchern unter Magie versteht, nämlich gleichzusetzen mit der Macht der Götter. In manchen erfundenen Religionen und Welten wird da ebenso strikt getrennt wie es auch hierzulande in der religiösen Geschichte geschehen ist. Die Unterscheidung kann insofern interessant sein, als der Autor in seinen Geschichten den Göttern Handlungsmacht zugestehen will und sie sozusagen aus ihrer „Transzendenz“ herauslöst. Ist es Magie, also eine unpersönliche, unbekannte Kraft, die da wirkt, oder ist es ein Gott, ein denkendes Wesen mit großer Macht?

Generell sehe ich hier zwei „Typen“ von Religionen:

Einmal die stark institutionalisierte Religion mit wenigen Geheimnisse, dafür aber viel Moral.

Und dann die geheimnisvollen, weniger ausgearbeiteten Religionen.

Die Religion von R’hllor stelle ich da mal in die Mitte. Sie scheint gut institutionalisiert zu sein, kommt mir aber wie eine Außenseiterreligion vor – und sie hat eindeutig Macht.

Das Spannende am Lied von Eis und Feuer ist immerhin die sonstige Abstinenz von Magie. Hier gibt es kein System der Magie, hier gibt es auch keine Magier, zumindest nicht solche, wie man sie in der Fantasy gewohnt ist. Eher an die Realität angepasst, ist Magie auch dort eher selten und außergewöhnlich, wenn auch durchaus greifbar.

Das sind meine bisherigen „Erkenntnisse“ aus der Reihe. (Unterstützt von ergänzenden Informationen folgender Quelle: http://awoiaf.westeros.org/index.php/Main_Page )

Was mich nun vor allem interessiert:

– Werde ich mehr über die Alten Götter erfahren?

– haben die Anderen irgendeinen religiösen Bezug?

Dies sind meine ersten Gedanken zum Thema „Religion in Fantasywelten“. Für Vorschläge bin ich offen. Auch für Diskussionen. 🙂 Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebe ich keine. 😉

Angelesen: Heldenwinter (Jonas Wolf)

Eigentlich sind Halblinge keine Helden. Natürlich, Frodo, Bilbo, Sam, Merry und Pippin haben da anderes bewiesen, aber jeder weiß doch, dass sie irgendwie „seltsam“ waren. Typische Halblinge waren sie jedenfalls nicht, obwohl auch sie gern dem Essen frönten.

Wie kommt es da, dass einer einen Halbling zu dem Helden seiner Geschichte macht? Halblinge sind klein, dick, unbeholfen und verfressen – und bei diesen eisigen Temperaturen würden sie sicherlich sehr an ihren Füßen frieren.

Dennoch, es ist geschehen: Ein deutscher Autor hat sich diesmal der kleinen Halblinge angenommen und einen davon zum Heldendasein auserkoren.

Weil ich das Bild von einem Heer der Halblinge im Kopf hatte, die sich todesmutig den Feinden entgegenschlägt (ein Paradoxon, wie ich meine), hatte ich etwas Mühe, mich an dieses Buch heranzuwagen. Wie soll das denn funktionieren?!

Gewagt habe ich den Blick nun dennoch, auch deshalb, weil die anderen Neuerscheinungen im Januar noch weniger interessant aussahen.

Zum Inhalt:

Namakan ist eine Waise und lebt bei seinen Zieheltern auf den Immergrünen Almen, einem unzugänglichen Wohnort der Halblinge. Doch dann tauchen eines Tages ein Krieger in einer weißen Rüstung und dessen Horde auf und verwüsten die friedlichen Almen. Namakan und sein Lehrmeister im Schmiedehandwerk, Dalarr, stehen vor den Trümmern ihres Lebens. Dalarr schwört dem Krieger in Weiß und dessen König Rache und beide ziehen aus, diesen Schwur wahrzumachen.

Nach den ersten hundert Seiten

Zwischen Haltestelle A und B in eisigen Temperaturen dieses verspäteten Winters habe ich Bekanntschaft mit Namakan, dem Halblingswaisen, und seinem Ziehvater Dalarr gemacht. Namakan finde ich nett und sehr halblingsmäßig. Er ist eher ernsthaft, etwas eingeschüchtert von der Schelterei seines Ziehvaters und Schmiedelehrmeisters, dennoch neugierig und vielleicht auch tapfer. Ich muss gestehen, er steht etwas im Schatten von Dalarr, dem zynischen, verbitterten und geheimnisvollen Schmied mit bewegender Vergangenheit. Eigentlich ist er der Held der Geschichte, zumindest bis jetzt – und Dalarr ist ein Mensch. Also noch kein Halblingsheld, sondern eher ein Halblingsheldenlehrling in Sichtweite.

Dalarr ist es auch, der der Geschichte eine ordentliche Portion Humor beifügt. Wenn er langsam seine Vergangenheit vor Namakan aufdeckt, so macht er das wunderbar bildhaft und ganz gewiss nicht zurückhaltend. Als er Namakan von seiner Werbung um seine Frau Lodaja erzählt, die kurz davor war, vielleicht seinen Rivalen Waldur zu erwählen, schimpft er rückblickend: „Waldur war bei ihr. Und weißt du, was das Erste war, was er macht, sobald er mich sieht? Er reißt sich die Kleider vom Leib und murmelt etwas von gerechten Vergleichen. Als ob ich nicht eben erst eine geschlagene Stunde durch scheißkaltes Wasser geschwommen wäre.“ (Tja, hätte Dalarr lieber mal ein Boot genommen, um auf die Insel zu gelangen. 🙂 )

Dalarr ist ein rauer Kumpan und sein Weg ist es, dem Namakan folgt. Ich bin nun wirklich gespannt, wie sich Namakan entwickeln wird. Ob er jemals aus dem Schatten seines Meisters heraustritt, den er ebenso fürchtet wie verehrt?

Jonas Wolf betreibt ein solides Handwerk. Beschreibungen der Landschaft sind relativ rar gesät, dagegen streut er immer wieder kleine Erzählungen in der Ich-Perspektive ein, die er deutlich besser beherrscht als Jennifer Fallon. Sie sind es vor allem, die zum Schmunzeln verleiten, geben sie doch einen Einblick in die Sichtweise Dalarrs. Ich jedenfalls bin froh, den Blick gewagt zu haben und wie es aussieht, werde ich den zweiten Band kaum erwarten können.

Extras: Das Buch wartet mit einer Karte (die sehr dünn besiedelt aussieht), einem Glossar und einer kleinen Vorstellung des Autors auf.

P.S.: Achja, Spinnen kommen übrigens auch vor. Man darf sich auf einen Vergleich mit Kankra freuen. 🙂

Winter has come …

Als wären die Worte aus dem Buch A Clash of Kings direkt in die Wirklichkeit gesprungen, hat uns der Winter dieses Jahr doch noch geholt. Na, wir können nur froh sein, dass der nicht so lang dauert wie im Lied von Eis und Feuer, aus dem diese Zeile stammt.

Passend zur Jahreszeit habe ich mir nämlich diese Reihe wieder zur Hand genommen und werde wohl in Kürze endlich mit Band 2 abschließen. Ich sollte wohl auch schnell lesen, immerhin wird ab April die zweite Staffel der Serie ausgestrahlt.

A Clash of King setzt die Linie von Band 1 fort: Die Geschichte ist schonungslos. Das betrifft nicht nur den Umgang des Autors mit seinen Charakteren, sondern auch generell die Ausdrucks- und Darstellungsweise. Da wird dem Leser keine heile Welt vorgegaukelt, wenn eigentlich Krieg herrscht. Wer das nicht verträgt, sollte besser die Hände davon lassen. Allerdings finde ich, dass man als Fantasy-Leser kaum um das Lied von Eis und Feuer herumkommt, selbst wenn der Hype den Betreffenden schon nervt – immerhin wurde die Reihe erst sehr lange Zeit nach ihrer Veröffentlichung verfilmt. Sie erntet jetzt den Ruhm, den sie sich hart erarbeitet hat. Während die einen es langweilig wie sonst nichts finden, sind die Bücher für andere die Welt.

Ich lese die Serie momentan zwar auf Englisch, aber ich habe auch beide deutsche Versionen gelesen. Die Fangemeinde geht ja die Wände hoch, weil die neuen Bände anders übersetzt wurden. Da wurde aus Jon Snow Jon Schnee, aus den Lannisters die Lennisters, aus King’s Landing Königsmund. Ich zähle wohl zu den absolut seltenen Geschöpfen unter der Sonne, die die letztere Version bevorzugt. Ich habe zuerst die alte Version gelesen und mir sind die „Fremdkörper“ in der sonst deutschen Umgebung ziemlich aufgestoßen. Jons Nachname, der immerhin angeben soll, dass er keinen eigenen Familiennamen besitzt, sondern als Bastard wie alle Bastarde des Nordens den Namen „Schnee“ verpasst bekommt, wurde in der alten Übersetzung zu einem Namen, der mehr Familienname war als er sein sollte. Ich mag es generell nicht, wenn sprechende Namen nicht übersetzt werden. Natürlich sieht es für den anders gewöhnten Leser sehr seltsam aus, wenn Jon nun nicht mehr Snow heißt – aber insgesamt ist es deutlich konsequenter. Wir befinden uns schließlich nicht in den amerikanischen Bergen, sondern in einer Welt, die so nicht existiert. Dabei finde ich die deutschen Übersetzungen nun auch komisch, weil ich mit der alten angefangen habe und nun zum Großteil die englische Originalversion lese. Aber-es-ist-besser! :>

Apropos Schnee: Gestern kam eine phantastische Neuheit in meinen Besitz. Heldenwinter von Jonas Wolf nenne ich nun mein eigen. Mal sehen, ob mich Halblinge wirklich überzeugen können. Ich bin da ja noch skeptisch.