Vorgestellt: Die Zauberschiffe (Robin Hobb)

Neu sind sie nicht gerade und auch ihre Cover erzählen noch von alten Zeiten: die Bücher der „Zauberschiffe“-Reihe von Robin Hobb. Doch ich habe mir vorgenommen, eine der wenigen Autorinnen im Fantasy-Bereich zu unterstützen, die es verstehen, eine Geschichte mit Struktur und gut durchdachten Charakteren zu erschaffen. So eine ist Frau Hobb nämlich. Und sie ist sogar die bisher einzige Frau, die mich wirklich überzeugen konnte – der Rest meiner Lieblingsautoren ist ausnahmslos männlich. Vielleicht liegt es am Namen?

 Inhalt: Schiffe aus Hexenholz und Seeschlangen

 Althea Vestrit liebt Viviace, das Zauberschiff ihrer Familie, sehr. Als Tochter einer Handelsfamilie weiß sie, wie wichtig die Verbindung zwischen dem Lebensschiff und ihrer Familie ist. Daher trifft es sie sehr hart, als ihr Vater bei seinem Tod das Schiff auf ihre ältere Schwester Keffria überträgt. Denn deren Mann Kyle hat vor, aus der Viviace ein Sklavenschiff zu machen. Obwohl die Familie in Geldnöten ist, ist Althea entsetzt: Viviace ist soeben erst erwacht und muss sogleich mit all diesen negativen Gefühlen hunderter Sklaven zurechtkommen?

Derweil wird ihr Neffe Wintrow dazu gezwungen, eine Verbindung zu Viviace einzugehen, denn nur ein echtes Familienmitglied kann ein Lebensschiff segeln. Doch Wintrow fühlt sich nicht zum Seemann geschaffen – er war mitten in der Ausbildung zum Priester. So ist seine Faszination an der Viviace von Groll überschattet.

Und dann sind da noch Amber, eine geheimnisvolle Holzschnitzerin, Paragon, das verrückte Lebensschiff, Brashen, der Versager, Malta, die kleine Hinterhältige, und Kennit, der eingebildete Pirat, der unbedingt ein Zauberschiff kapern will. Und eine Menge Seeschlangen…

Von den drei Geschichten von Hobb, die ich kenne, ist diese hier vielleicht die beschaulichste. Ich will nicht sagen, dass sie langweilig ist, weil sie immer noch besser ist als 70% der sonstigen Fantasy. Aber es gibt Stellen, an denen die Geschichte sich sehr langsam entfaltet – und da ist es bei mir vor allem das Wissen aus den Regenwild-Chroniken, das meine Neugier vorantreibt. Denn einige der Charaktere und einige zukünftige Handlungen kenne ich bereits, und nun will ich wissen, wie es dazu kommt.

Dann gibt es wieder Stellen, wo man am liebsten nicht mehr aufhören mag mit lesen, denn manchmal werden einem die Brocken hingeworfen, nach denen man giert: Was verbirgt sich in der Regenwildnis, wann findet Viviace heraus, was mit ihr nicht stimmt, wer ist Amber?

Interessanterweise ist es Malta, die unerträgliche und hinterlistige Göre, auf deren Abschnitte ich mich nun am meisten freue. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, aber ich finde sie vor allem deswegen so spannend, weil ich Maltas Alter Ego der Zukunft kenne. Ich habe wirklich sehr, sehr lang gebraucht, um den Zusammenhang herzustellen, da ich nicht mehr alle Namen aus den Regenwild-Chroniken kannte. Und dann hat mich die Diskrepanz der beiden Charaktere mit dem gleichen Namen gepackt. Zwar wurden mir gewisse Entscheidungsmöglichkeiten für ihre Zukunft schon vorweggenommen, aber das macht es ja nicht weniger spannend zu lesen, wie sie dorthin kommt, wo sie später steht.

Dasselbe gilt für Althea und Brashen, im geringeren Maß.

Wer erschafft interessante Charaktere?

Bewundernswert, wieder einmal, ist das Können der Autorin im Gestalten ihrer Charaktere. Gerade mit Althea und Malta hat sie zwei Figuren geschaffen, deren Tiefe mich beeindruckt. Sie sind glaubhaft und interessant, sie verhalten sich nicht eindimensional. Althea zum Beispiel kämpft immer wieder mit ihrem Wunsch, unabhängig und verantwortungsvoll zu sein, aber dann doch feststellen zu müssen, dass sie manchmal wie eine verzogene Göre handelt.

Ob Brashen, der der rechtschaffene Typ schlechthin ist und doch drogenabhängig, oder Amber, kindlich und geheimnisvoll, oder Kennit, maßlos eingebildet und gefühlskalt… ich wünschte mir, dass in so manch anderem Roman wenigstens eine der Hauptfiguren eine solche Tiefe besäße.

Was ich hasse …

…sind emotional-kitschige Charaktere. In den Romanen, die ich bisher von Robin Hobb kenne, hat sie eine erfrischend nüchterne Art zu erzählen. Ob Männlein oder Weiblein, niemand jammert und klagt, als wäre der Weltuntergang nah. Und trotzdem steckt in den Figuren oft eine größere Tiefe der Gefühle als in allen anderen heulenden Figuren, die mir bisher so begegnet sind.

Interessanterweise neigen nämlich vor allem männliche Autoren zu männlichen Charakteren, die unter sehr weiblichen (und nicht unbedingt realistischen) Gefühlsausbrüchen leiden. Ein Großteil aller Fantasy-Romane, die ich nicht besonders mag, scheitern vor allem an einer zu emotionalen Erzählweise angesichts der großen Trivialität, die die Erzählung ausmacht. Heulende Männer? Du meine Güte. In der Realität kein Problem, aus meinen Büchern sollten sie fernbleiben. („Manly Tears“ gehen in Ordnung. Wir wollen mal nicht so sein.)

Von daher, ich kann sie euch nur ans Herz legen, wenn ihr sie noch nicht kennt. Aktuell ist der zweite Band der Regenwild-Chroniken erschienen, also: greift zu!

P.S.: Ich finde die Cover immer noch urkomisch! Denn sie zeugen so sehr von dem alten Image der Fantasy aus den 90ern! 😀 (Sind aber 2008 erschienen.)

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12 Kommentare zu “Vorgestellt: Die Zauberschiffe (Robin Hobb)

  1. Robin Hobb ist wirklich eine großartige Autorin, danke für die Bestätigung 🙂

    Wenn du die Gefühlsausbrüche der männlichen Helden männlicher Autoren hasst, warum sind dann deine Lieblingsautoren trotzdem alle männlich? Wäre das nicht eher ein Argument für weibliche Lieblingsautoren?

    • Weil weibliche Autoren net erzählen können… 😀 Offenbar haben sie die weniger genialen Ideen oder schreiben nur Romantasy. Aber die ,ännlichen neigen dafür häufiger zu seltsamen Gefühlsduseleien.

      Ernsthaft mal: Mir fällt außer Robin Hobb kaum gute Autorinnen ein. Lediglich K.K. Rusch („Bücher der Fey“) und Ursula LeGuin.
      Sonst noch jemand?

  2. Ich habe gerade einen Re-read der Grünen Reiter Trilogie (haha, jetzt schreibt sie an Buch 5) von Kristen Britain hinter mir. Kennst Du sie? Ich mag sie immer noch sehr. Eine weibliche Autorin, die schreiben kann, wenn der erste band aber noch bissl unter Debütallüren leidet, aber nicht wirklich schlimm. Da jedenfalls haben sie die Cover auch neu aufgelegt, einen Vergleich wert 😉
    Ich kenne die Regenwild-Bücher von Hobb noch nicht, freue mich aber schon aufs lesen. Teil 2 war bisher in keinem Laden zu bekommen, ich setze auf Onlinebestellung. Aber erst, wenn alle Teile hier sind, fange ich an.
    Die Zauberschiffe haben tatsächlich etwas langatmiges, aber ich bin unheimlich fasziniert vom Worldbuilding, gerade auch was die Drachen und die Zauberschiffe angeht. Das ist einfach nur phänomenal. Und wenn Dir das alles gefallen hat, werden Dich die Weitseher-Bücher noch mehr beeindrucken 😉 Und Amber oder xyz (keine Spoiler bitte) aus den Weitseherbüchern ist ohnehin meine liebste Figur.

  3. Ich bin seit deinem Kommentar gespannt darauf, wann und ob Amber in den Weitseher-Büchern auftaucht. Die Zweiten Chroniken wurden ja, soweit ich das gerade in Erinnerung habe, nach den Zauberschiffen geschrieben, da wäre es dann ja passend. Mir fällt im Moment nur eine einzige Person ein, die ihr ähnelt, aber die ist….zu auffällig anders.

  4. Hast Du die ersten Chroniken schon gelesen? Da war Amber auch schon drin, aber anderer Name … lies einfach die zweiten Chroniken, da gibt es eine überaus emotionale Auflösung. Damals hatte ich die Zauberschiffe noch gar nicht gelesen und fand es schon … zum schniefen und Herzklopfen. 🙂

    • Jaaaa, ich konnte mir schon denken, dass sie da einen anderen Namen hat, aber vom Aussehen passt da nichts, wie ich finde, deswegen bin ich verwirrt. Allerdings fehlt mir aktuell noch der dritte Band. Vielleicht liegt es daran? 😀

    • Nicht einmal. Ich kann es nur ahnen, da vieles von dem, was da schon erwähnt wird, auf Amber passt. Aber herausgekommen ist noch nichts. Das passiert dann wohl erst in den zweiten Fitz-Chroniken, die ich aber noch nicht gelesen habe. Und dabei war ich soooo super gespannt und hatte gehofft, es löst sich noch! Das war ein Grund gewesen, warum ich gestern so etwa die letzten 500 Seiten von Nachtmagier am Stück gelesen habe….>.<

  5. Stimmt *an den Kopf schlag* das steht im letzten Band der zweiten Chroniken. Ich dachte, die hättest Du gerade gelesen. Amber hat keine Röcke an, „sie“ ist eine Hauptfigur und sie mag es bunt und lichtdurchflutet. Mehr sage ich aber jetzt wirklich nicht. 🙂

    • Ja, ich weiß, wer sie ist. Konnte mir nicht vorstellen, wie man da von A nach B kommt, aber das wurde im Nachtmagier dann schon angedeutet. Trotzdem noch fraglich, wie die Chronologie ist. Ob sie in der Zwischenzeit (zwischen den beiden Chroniken) die Zauberschiffe-Sachen erlebt, was mir nicht so recht zu passen scheint. Allerdings bricht sie nach den Zauberschiffen wieder nach Norden auf, von daher würde es doch passen.

      Übrigens fand ich es furchtbar interessant, über die „Uralten“ in den Fitz-Chroniken zu lesen. Aufgrund der Zauberschiffe wusste ich nämlich sehr genau, was der König am Ende macht, mir haben sich die Zusammenhänge erschlossen. 🙂 Hatte mich schon vorher über die Gestalt der schlafenden Uralten gewundert.
      (Wie schreibt man so, dass du weißt, was ich meine, ich aber trotzdem nichts verrate? 😉 )

  6. Zwischen den Chroniken liegen fünfzehn Jahre, also sollte das zu schaffen sein 😉 Ich habe ja damals erst die beiden Chroniken gelesen und dann viel später die Zauberschiffe. Für die Chroniken ist es sicher gar nicht so wichtig, was während der Jahre passiert. Allerdings ist es schön zu lesen, wie es mit den Figuren aus den zauberschiffen weitergegangen ist 😉 (Achtung Leseanreiz?)
    Die Uralten fand ich auch megainteresannt, in den zweiten Chroniken sogar noch mehr. Was das Worldbuiliding angeht weiß Hobb einfach, was sie macht. Bei den Zauberschiffen war ich auch von den Drachen und ihren Enwicklungsphasen mehr als begeistert. So was entsteht nicht mal eben im Vorbeigehen.
    Ich lese gerade den vierten Band von Kristen Britain und möchte dann endlich mit Nevarre anfangen.

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