Tag-Archiv | Zauberschiffe

Rezension: Drachenkämpfer (Robin Hobb)

Nun ist es ja auch schon wieder einige Monate her, seit „Drachenkämpfer“, die Fortsetzung zu „Drachenhüter“, erschienen ist. Ich habe den Band mit den prophetischen Worten meiner Freundin im Hinterkopf gelesen, die da lauteten: „Du wirst schon merken, dass er Schwachstellen hat.“ Wie jetzt? Ein Roman von Robin Hobb mit Schwachstellen?! Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber sehen wir selbst.

Inhalt

Alise, Thymara und Sintara, die Drachin, sind zusammen mit den anderen Hütern und Drachen auf dem Weg nach Kelsingra, der legendären Stadt der Altvorderen. Doch nicht alle haben das Wohl der verkrüppelten Drachen im Kopf. Manche von ihnen wurden heimlich angeheuert, um die wertvollen Körperteile der Drachen einzusammeln, sei es von den Lebenden oder Toten. Während im Hintergrund die skrupellosen Plünderer lauern, sind die Hüter uneins.

Vornehmlich ist dieser Band dem Wachsen gewidmet. Dem Wachsen der verkrüppelten Drachen, dem Wachsen der Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Und der Liebe. Ja, der Liebe.

Stetig vorwärts

Die Geschichte ist linear aufgebaut, Handlungsort ist der Regenwildfluss. Da bleibt wenig Platz für Abwechslung, aber stattdessen mehr Raum für die Entwicklung der Figuren. Und ja, das heißt nicht nur Tiefe der Charaktere, sondern manchmal auch das Genervtsein des Lesers über die neuerlichen Selbstmitleid-Phasen einiger Figuren.

Thymara, der man irgendwie die Pubertät anmerkt, weil sie zu stur und trotzig ist, um manche Dinge auch von einer anderen Seite her zu überdenken.

Alise, die viel zu naiv für die Welt ist und so lange Zeit aus ihrer ängstlichen Haut nicht herauskann, dass man ihr nur zu gern einen Schubs geben möchte.

Sedric, der völlig verblendet ist von seiner Liebe und zudem ein völliges Weichei.

Und natürlich Sintara, die arrogante Drachin. Von ihr liest man in diesem Band viel zu wenig, finde ich. Zumindest bleibt sie hinter den anderen Figuren deutlich zurück.

Da kommt die Angst auf: Werden sie sich je zusammenreißen?

Das Blatt wendet sich

Auch wenn viel (zu viel) Beziehungskram thematisiert wird und der Handlungsort immer derselbe bleibt, passiert einiges Beeindruckendes. Der Spannungsaufbau ist weiterhin vorhanden und findet einen großartigen Abschluss. Keine der Figuren befindet sich im selben Status wie am Anfang – jede hat gewisse Dinge für sich akzeptiert, sich weiterentwickelt und ist stärker geworden. Vermutlich brauchte es dafür viele der sentimentalen Phasen, die sich durch das Buch ziehen: um am Ende dem Leser vor Augen führen zu können, wie sehr sich Thymara, Sedric und Alise verändert haben. Somit wird die Schwäche des Buches gleichzeitig zu seiner Stärke. Also ja: Sie werden sich zusammenreißen.

Geheimnisse

In diesem Band offenbart sich neben den alten Namen der Drachen, die ich ja nun schon seit den Zauberschiffen verfolge, auch die Identität des Teermanns. Besonders für diejenigen, die die Zauberschiffe mit Interesse gelesen haben, die Maulkins Knäuel und dessen Schicksal mit Anteilnahme verfolgt haben, sollten die Regenwildnis-Chronik lesen. Man erfährt einiges über die Altvorderen und deren Entstehung, was natürlich einer der Hauptgründe für mich ist, das Buch weiterzulesen. Gut verteilt über das Buch werden einem neugierigen Leser wie mir immer wieder ein paar kleine Häppchen hingeworfen. Mehr davon, mehr! Mehr!

Vergleich zu den anderen Reihen

Nun, da ich selbst (fast) alle Geschichten von Hobb gelesen habe bzw. alle Welten kenne, kann ich einen guten Vergleich ziehen. Die Regenwildnis-Chroniken sind deutlich weiblicher geschrieben, was man nicht ganz damit entschuldigen kann, dass die meisten der Hauptfiguren weiblich sind. Das war in den Zauberschiffen schließlich auch der Fall. Ich nehme an, es ist vor allem Alise geschuldet, die sehr viel ängstlicher ist als die meisten von Hobbs Charakteren. Doch die Kulisse für ihre Sanftheit bildet die wohl härteste Umgebung, nämlich der Regenwildfluss. Und dieser Fluss ist definitiv ein Bonus, der sogar die „liebliche“ Seite der Chroniken ausgleichen kann. Bei keinem anderen Roman von ihr war ich so auf die Entdeckung dessen fixiert, was sich hinter der nächsten Kurve, hinter der nächsten Abzweigung verbirgt.

So lasse ich also alle schimpfen, diese Romanreihe reiche nicht an die anderen heran. Denn das stimmt nicht. In keinem anderen wurde eine solche Spannung allein dadurch erreicht, dass die Hauptcharaktere einen Fluss hinauffahren.

Fazit: Ein Roman, bei dem man sich manchmal über die Charaktere aufregen muss, der aber dennoch so viele interessante Handlungsstränge und Geheimnisse bereithält, dass man etwas verpasst, wenn man ihn nicht liest.

Erscheinungsdatum des dritten Bandes ist bisher noch nicht bekannt. Laut Heyne ist er noch nicht fest geplant, aber im Gespräch. Heißt wohl, der kommt dann erst in einem Jahr raus. „City of Dragons“ (Band 3) ist auf Englisch im Februar 2012 erschienen, der letzte Band („Blood of Dragons“) erscheint im Februar 2013.

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Zauberschiffe und Neunaugensee

Und ist wieder ist eine Woche um! Wenn ich momentan sehe, wie schnell die Wochen verfliegen, wird mir angst und bange. Vor allem, wenn man die Zeit in Relation zu den Büchern setzt, die ich währenddessen gelesen habe.

Voller Stolz kann ich jedoch berichten, dass ich nun immerhin im vierten Band der Zauberschiffe angekommen bin. Inzwischen hat die Serie einen mächtigen Sog entwickelt, dem ich kaum entrinnen kann. Unterbrechungen? Ich werde ungehalten! Ich habe mir fest vorgenommen, das sommerliche Wetter (und es existiert doch!) dazu zu nutzen, um ein bisschen zu wandern. Das wird schwierig werden. (Ich muss das Buch wohl mitnehmen.)

Einstieg in eine neue Welt

Neunaugensee – oder auch Pandlarin genannt – wird in etwa die Gegend sein, aus der mein DSA-Charakter kommt. Ich habe ein ausgesprochenes Faible für Landkarten, daher musste mein Charakter von einem Ort kommen, der für mich interessant aussieht. (Da gab es natürlich noch viel mehr Orte.) Bisher habe ich das Spiel noch keinmal gespielt, aber ich bin trotzdem schon begeistert. Denn „Das Schwarze Auge“ besitzt genau das, was ich liebe: eine ausgereifte Fantasy-Landschaft. Zu Weihnachten habe ich „Wege der Götter“ geschenkt bekommen – ich war hin und weg! Denn mich interessieren erfundene Mythologien und Götterwelten einfach ungemein. Die „Geographia Aventurica“ ist da auch ein Ding für sich… *_* (Auch wenn ich die Gegend, aus der ich kommen möchte, ungenügend geschildert findet. Hätte da gern einfach noch mehr Infos.)

Ich kenne mich also schon ein bisschen in Aventurien aus. Ich kann sogar schon ein wenig klug daherreden. „Das Nebelmoor liegt östlich vom Neunaugensee? Also bitte!!“ Aber gespielt habe ich noch nicht. 😀

Der heutige Abend ist als erster Spielabend angedacht. Ich muss zugeben, ich bin etwas aufgeregt. Ich habe vor etwa zehn Jahren ein einziges Mal ein Pen&Paper-Rollenspiel gespielt, aber irgendwie zähle ich das nicht. Es wird also eine Premiere auf einem mir unbekannten Gebiet, ich bin wirklich gespannt.

Ausgelesen: Drachenhüter (Robin Hobb)

Eigentlich habe ich viel zu lange mit einem Ausgelesen gewartet. Denn bald schon erscheint der zweite Band. Aber da ein Angelesen immer nur bewusst die ersten Eindrücke wiedergeben soll, mache ich es dennoch.

Robin Hobb kann es einfach. Sie kann erzählen, wie sonst kaum einer in der Fantasy-Zunft. Sicher, man muss die Geduld haben, ihr zu folgen, sich auf ihre Erzählweise einzulassen und nicht vorstürmen zu wollen wie ein junger Hund. Aber wenn man die Geduld hat, wenn man eine ausgereifte Geschichte lesen möchte: Dann greife man zu Robin Hobb!

Denn ihre Charaktere, ihre Handlung, ihre Geheimnisse – sie weiß es zu erzählen und Schicht für Schicht zu entblättern, immer gerade so viel an Enthüllung zu gestatten, dass es den Leser weiter antreibt. Trotz ihrer langsamen Erzählweise finde ich „Drachenhüter“ immer noch spannender zu lesen als die wesentlich schnelllebigeren „Shannara“ und „Lieder der Erde“.

Und mit Drachen drin!

Vor allem die Drachen gefallen mir hier.

Sie sind launisch, unberechenbar, ungeheuer eitel und arrogant – und Krüppel. Sehr akribisch wird ihr Bild gezeichnet, zum einen durch die Legenden, die sich immer wieder einschleichen, zum anderen durch die wechselnden Sichtweisen der Hüterin Thymara, der Forscherin Alise und der Drachin Sintara. Während Thymara einen unverstellten Blick auf Sintara hat und Mitleid für ihren verkrüppelten Körper empfindet, aber Abscheu vor ihrem Charakter, ist Alise gebannt – weniger von Sintaras wahrem Wesen, sondern von den Legenden, die sich um die Drachen spinnen. Alise sieht Sintara also nur durch den Schleier der Vergangenheit. Und in diesem Schleier, in diesem Glanz lebt Sintara. Sie fühlt sich den Menschen überlegen, wie es sich für ihre Art gehört. Doch sie spürt die Diskrepanz zwischen ihrem wahren alten Ich und ihrem Körper. Das macht sie nicht nur arrogant und launisch, sondern auch verbittert.

Verpuppen, schlüpfen, dahin vegetieren und endlich zum ersten Mal selbst jagen – durch die Sichtweise Sintaras wird uns all das nahegebracht. Es klingt so wahrhaft tierisch. Und so sind die neuen Drachen ja auch. Kaum mehr als Tiere. Und dennoch: eben mehr. Eben das, was Legenden aus ihnen machen.

In der neuen Reihe von Hobin Hobb wird wunderbar mit dem Klischee der Drachen gespielt, die vielleicht edel und meistens auch intelligent sind, aber ansonsten unerträgliche Biester, die vor allem deshalb so schrecklich arrogant sind, weil sie zu groß sind, um sie einfach zu ignorieren.

Trotzdem fällt es schwer, Sintara nicht zu mögen. Das muss man so sagen.

Fazit: Wenn ihr unbedingt Drachenbücher lesen wollt, weil Drachen tolle Wesen sind, dann könnte Drachenhüter von Robin Hobb euch vielleicht etwas erschrecken. Drachen gibt es zuhauf, aber eben nicht unbedingt die, die man so erwartet. Aber wenn ihr eigentlich schon längst keine Drachenbücher mehr sehen könnt, dann greift unbedingt zu Drachenhüter!

Zusatzinfo: Drachenhüter ist im selben Universum wie die Zauberschiffe-Reihe angesiedelt, die in Deutschland aber leider nicht mehr erhältlich ist. 😦 Wie so viele Romane von Robin Hobb. Band 2 erscheint im Juli.

Traumland: Phantastische Bibliothek Wetzlar

Heute ist es mir tatsächlich passiert: ich bin in das Traumland für jeden Fantasyleser gekommen. Hohe Regale mit allen nur erdenkbaren Fantasy-Titeln, darunter auch vergriffene, eine Bibliothek allein für phantastische Literatur.

Mir war die Phantastische Bibliothek Wetzlar durchaus bekannt. Als ich mich im Studium mit dem Thema „Fantasy und Religion“ auseinandergesetzt hatte, musste ich zwangsläufig darüberstolpern. Allerdings war ich der Meinung, die PBW würden nur Schriftenreihen wissenschaftlicher Art produzieren und Tagungen abhalten.

Nun ja, der Begriff „Bibliothek“ hätte mich aufmerken lassen sollen, aber soweit habe ich nie gedacht. Dass es tatsächlich irgendwo eine Bibliothek nur allein für Fantasy, Science-Fiction und Phantastik geben könnte – undenkbar, abstrakt! Doch es gibt sie, sie steht in Wetzlar und ich ärgere mich, dass ich nicht bei meiner Ankunft dort vorbeigeschnuppert bin.

Habe ich also noch gestern mit mir und meinem Schicksal gehadert, weil diesen Monat noch ein Umzug ansteht und ich nicht wusste, wie ich hier zu Artikeln komme:

Natürlich ist Robin Hobbs Zauberschiffe (12/99) nicht mehr aktuell – aber vergriffen. Und ich bin ein großer Fan dieser Dame, da musste das Buch mit.  Der Name des Windes von Patrik Rothfuss (9/08) ist ebenfalls älter – aber ein Bestseller. Ich muss einfach wissen, ob sein Ruf und sein Buch übereinstimmen. Neuer dagegen ist Elspeth Coopers Die Lieder der Erde (11/11). Mich hat hier vor allem immer das Cover angesprochen. Wie ich in meiner Aprilauswahl schon geschrieben hatte, stand Jay Lakes Räder der Welt (3/12) tatsächlich auf meinem Leseplan. Da musste ich einfach zugreifen.

Jetzt habe ich also fünf dicke Wälzer hier liegen, die alle bis Ende Mai gelesen werden müssen. Ob ich das wohl schaffe?!

Ein Angelesen von Die Räder der Welt wird noch innerhalb einer Woche erfolgen. Aber erst einmal sollte spätestens übermorgen das Angelesen zu Die Legende von Shannara fertig sein. 🙂