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Dystopien noch und nöcher

Keine Bange, ich lese immer noch viel – ich müsste mich nur öfter überwinden, wieder zu schreiben.

Mein Berg der zu lesenden Bücher wird immer höher, darunter sind aber nicht nur Fantasy-Geschichten. Die Fantasy-Sachen, die ich in letzter Zeit gelesen habe, sind es wiederum oft nicht wert, einzeln rezensiert zu werden. Oder ich bin im Moment einfach nur ein bisschen fantasymüde? Ich habe seit zwei Jahren wirklich viel aus dieser Sparte gelesen, auch so einige Schätze entdeckt, aber gerade sehne ich mich nach einem guten Roman von John Irving zum Beispiel. Meinetwegen auch nach einem richtig guten Fantasy-Roman, aber das meiste, das aktuell auf dem Markt herumschwirrt, sieht eher nicht nach einem Schatz aus. Tipps von eurer Seite?

Aktuell lese ich sogar einen Fantasy-Roman aus der Sparte Jugend-Dystopie. Scheint seit einiger Zeit (2012?) Mode zu sein. Einige Perlen habe ich da durchaus schon entdeckt: Cocoon – die Lichtfängerin ist so eine. (Eine Science-Fiction-Fantasy-Dystopie mit Anleihen an 1984 und Brave New World.) Heute habe ich vermutlich die nächste entdeckt: Memento – die Überlebenden. Schon auf den ersten Seiten kann ich meistens erkennen, ob das Buch ein gutes ist oder einfach nur durchschnittlich. Manchmal sind es die ersten Sätze, manchmal die Sprache, manchmal die Szenen. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte Hesse und auch wenn er das anders meinte – treffender kann man den Einstieg in eine neue Geschichte kaum bezeichnen.

Memento mit seinen ersten beiden Bänden habe ich also vorliegen und ich bin gespannt. Schon deshalb auch, weil es in einigen Punkten dem neuen Roman von Julie Kagawa, Unsterblich, ähnelt. Ein junges Mädchen in einer Welt „danach“, das um sein Überleben kämpft und von Überwachungsorganisationen verfolgt wird.

Und dennoch, die Unterschiede! Sprache, Wortwahl, Stil – während Unsterblich wahrhaft ein Jugendroman ist (Erwachsene können die leichte Sprache manchmal kaum aushalten), bewegt sich Memento in einer Zwischenwelt, mit deutlich mehr Anspruch.

Allison, die Hauptfigur aus Unsterblich, ist ein wortkarges, einzelgängerisches Mädchen. Ich musste mich anstrengen, sie zu mögen. Pressia, eine der Hauptfiguren aus Memento, ist nicht so viel anders. Aber sie wirkt anders. Sie wirkt nicht verkrampft.

Tatsächlich entpuppt sich Unsterblich in seiner ganzen Aufmachung als recht simpel. Memento schafft es schon auf den ersten Seiten, mich mit seinen Andersartigkeiten, die ja einer Dystopie gut anstehen, zu packen und zu faszinieren. Da steckt ein bisschen mehr an Vorüberlegung dahinter. Unsterblich habe ich mit einer gewissen Langeweile gelesen. Es ist ja schon spannend, wie sich die Geschichte nach und nach entwickelt. Aber als Unsterblich ausgelesen war, hatte ich nicht das Bedürfnis, über das Buch zu reden.

Ich bin gespannt, wie sich Memento entwickelt. Ich will ja jetzt schon über das Buch reden.

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Angelesen: Das Licht hinter den Wolken (Oliver Plaschka)

Wenn Klett-Cotta einen neuen Fantasy-Titel auf den Markt wirft, ist es Zeit, da einmal einen Blick hineinzuwerfen. Vor allem dann, wenn es sich um einen deutschen Autor handelt. Klett-Cotta – bzw. die Hobbit-Presse – steht für Fantasy à la Tolkien: gut durchdachte Geschichten und ein ausgefeilter Schreibstil. Klett-Cotta steht für Namen wie Tad Williams und Patrick Rothfuss.

Licht hinter den Wolken_Klett-cottaIm März 2013 hat die Hobbitpresse „Das Licht hinter den Wolken – Lied des Zwei-Ringe-Lands“ von Oliver Plaschka herausgebracht, einen Autor, der schon mit „Die Magier von Montparnasse“ bei ihnen vertreten ist. Ein neues deutsches Schreibtalent?

April gegen den Rest der Welt

April will vor allem eines: Sie will Geschichte schreiben! Zum Glück hat sie eine Gabe, die sie zum Zauberschwert „Schneeklinge“ führt, das seit Jahrtausenden in einem alten Schloss versiegelt war. Von nun an ist sie unbesiegbar und kann die Schatten aus ihrer Vergangenheit endlich hinter sich lassen. Zusammen mit Jenner, einem halbmenschlichen Faun, macht sie sich daran, ihren Ruf aufzubauen.

Eine Bank ausrauben? Eine Post überfallen? Oder vielleicht den Widerstand gegen das marode Kaiserreich anführen? April stehen viele Möglichkeiten offen und einem geneigten Leser mag vielleicht auffallen, dass es mit der Moral bei April nicht weit her ist.

Die Kindheit war’s

Als Leser begleiten wir April schon von frühester Kindheit an und merken recht schnell, dass Anderssein in einem kleinen Dorf nicht unbedingt von Vorteil ist. Vor allem dann, wenn die Mutter tot ist und der Vater das Kind nur hasst. Irgendwann wehrt sich April gegen die gewalttätigen Übergriffe anderer und heraus kommt: eine nicht eben schuldbewusste junge Erwachsene.

Ganz ehrlich, mich fasziniert nicht so sehr, wie die Geschichte weitergeht, als vielmehr, wie April sich entwickelt. Sie ist an einigen Stellen der Geschichte schon fast überschwänglich unmoralisch im Sinne von: „Mir hat man Böses getan, also darf ich es auch“. April wirkt durch ihre mangelnde Reflexion, was sie da manchmal eigentlich denkt oder tut, herzlos und egoistisch.

Jenner, ihr Begleiter und aufgrund seines Schwertes auch „Banneisen“ genannt, ist ebenfalls nicht unbedingt von der Sorte, dem man seine Kinder anvertrauen würde. Aber seine Handlungen sind zielgerichtet. Kann er April beeinflussen?

Der geheimnisvolle Hintergrund

Und dann ist da noch Cassiopeia. Sie musste Schreckliches mit ansehen und Verrat erdulden – doch sie entscheidet sich für einen anderen Weg zu Macht und Stärke. Sie geht an die berühmte Kampfakademie von Leiengard. Wie passt sie und ihr Teil der Geschichte zum Rest? Bisher kann ich das noch nicht absehen. Ich bin gespannt.

Im Hintergrund agiert der Zauberer Sarik. Die Magie ist fast aus der Welt verschwunden und außerdem lauert da noch ein alter Feind, den es zu besiegen gilt. Wie hängt April mit diesem Teil der Geschichte zusammen?

Ein würdiger Klett-Cotta?

Ja! Wir haben hier eine gut aufgebaute Geschichte mit mehreren Erzählsträngen und -ebenen, wir haben einen Stil, der nicht bloß Wort an Wort reiht – und dann stellt mich Oliver Plaschka auch noch vor das große Rätsel, warum er die Tempora ändert. Welche Struktur steckt dahinter?

Fazit: Bisher ein interessanter und gut geschriebener Fantasy-Roman, der nicht ganz den üblichen Bahnen folgt.

(Bildrechte: Klett-Cotta)

The Wheel of Time – A Memory of Light

Es ist schon ein sehr komisches Gefühl, den allerletzten Band von Rad der Zeit in den Händen zu halten und zu wissen, dass sich die Serie danach endgültig aus meinem Leben verabschiedet. Vierzehn Jahre lang haben Rand, Egwene, Nynaeve, Mat, Perrin, Aviendha und Elayne mich begleitet, sind quasi mit mir erwachsen geworden. Ich will wirklich noch gar nicht daran denken, wie ein Leben sein wird, in dem ich nicht mehr auf einen weiteren Rad-der-Zeit-Band warte. 😦

Fazit nach 200 Seiten

Für mich eine Novität: ich lese das Original. Ein bisschen seltsam fühlt es sich schon an. So nach 35 deutschen Bänden.

IMAG0663Das Buch ist schwer. Weil die deutschen Bände erst später herauskommen, musste ich natürlich den Originalband bestellen. Durch glücklichen Zufall bin ich sogar an die Hardcover-Version gekommen, die mir vor allem eines eingebracht hat: Schmerzen. Uiuiui, das Ding wiegt gefühlte zehn Kilogramm – jetzt verstehe ich wirklich, warum in Deutschland die Bücher geteilt werden. Da mischen sicherlich die Krankenkassen kräftig mit!

Ein Déjà-vue kommt auf, wenn man die ersten Seiten aufschlägt und ein wohl vertrautes, gleichsam gefürchtetes Wort entdeckt: Prolog. Prolog, das bedeutet bei Robert Jordan und in den deutschen Bänden: Stell dich darauf ein, von Leuten zu lesen, du nicht nur nicht wieder erkennst, sondern wirklich nicht kennst, und danach ist das halbe Buch schon herum. Das zweite Wiedererkennungsmerkmal: „Habe ich wirklich noch nie von dieser Person gelesen oder kann ich mich nur nicht mehr daran erinnern? Und was ist eigentlich im letzten Band passiert?!“ Für alle, denen es ähnlich geht, sei das hier empfohlen: wot.wikia.com

Die Fäden laufen zusammen. Die Letzte Schlacht wird vorbereitet und die Kräfte treffen aufeinander. Mir gefällt es vor allem zu lesen, wie Rand und Egwene, Elayne und Nynaeve und Perrin plötzlich wieder an einem Ort vereint sind. Alle sind sie viel größer als damals, als sie nur einfache Dorfleute gewesen (oder Thronerbin). Sollen da wirklich nur zwei Jahre ins Land gegangen sein? Offenbar drehen sich die Räder der Zeit in der Reihe doch etwas anders. 😉 Ach ja, einer fehlt noch. Wo der wohl wieder steckt? Bisher habe ich ihn auch noch nicht entdecken können.

Rad der Zeit zieht erzählerisch straff an und ich frage mich, wie die Geschichte einen Abschluss finden kann, der nicht enttäuscht? Seit dem ersten Band, seit klar wurde, wer und was Rand al’Thor ist, steht die Unausweichlichkeit im Raum, dass er sterben muss, um den Dunklen König zu besiegen. Geschieht das wirklich? Im Gegensatz zu George R.R. Martin ist Robert Jordan immer sehr pfleglich mit seinen Charakteren umgegangen. (Deswegen wurden es ja auch immer mehr.) Lässt er Rand einfach so sterben? Diese große Frage werde ich vermutlich erst in 700 Seiten wissen.

Rezension: Drachenkämpfer (Robin Hobb)

Nun ist es ja auch schon wieder einige Monate her, seit „Drachenkämpfer“, die Fortsetzung zu „Drachenhüter“, erschienen ist. Ich habe den Band mit den prophetischen Worten meiner Freundin im Hinterkopf gelesen, die da lauteten: „Du wirst schon merken, dass er Schwachstellen hat.“ Wie jetzt? Ein Roman von Robin Hobb mit Schwachstellen?! Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber sehen wir selbst.

Inhalt

Alise, Thymara und Sintara, die Drachin, sind zusammen mit den anderen Hütern und Drachen auf dem Weg nach Kelsingra, der legendären Stadt der Altvorderen. Doch nicht alle haben das Wohl der verkrüppelten Drachen im Kopf. Manche von ihnen wurden heimlich angeheuert, um die wertvollen Körperteile der Drachen einzusammeln, sei es von den Lebenden oder Toten. Während im Hintergrund die skrupellosen Plünderer lauern, sind die Hüter uneins.

Vornehmlich ist dieser Band dem Wachsen gewidmet. Dem Wachsen der verkrüppelten Drachen, dem Wachsen der Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Und der Liebe. Ja, der Liebe.

Stetig vorwärts

Die Geschichte ist linear aufgebaut, Handlungsort ist der Regenwildfluss. Da bleibt wenig Platz für Abwechslung, aber stattdessen mehr Raum für die Entwicklung der Figuren. Und ja, das heißt nicht nur Tiefe der Charaktere, sondern manchmal auch das Genervtsein des Lesers über die neuerlichen Selbstmitleid-Phasen einiger Figuren.

Thymara, der man irgendwie die Pubertät anmerkt, weil sie zu stur und trotzig ist, um manche Dinge auch von einer anderen Seite her zu überdenken.

Alise, die viel zu naiv für die Welt ist und so lange Zeit aus ihrer ängstlichen Haut nicht herauskann, dass man ihr nur zu gern einen Schubs geben möchte.

Sedric, der völlig verblendet ist von seiner Liebe und zudem ein völliges Weichei.

Und natürlich Sintara, die arrogante Drachin. Von ihr liest man in diesem Band viel zu wenig, finde ich. Zumindest bleibt sie hinter den anderen Figuren deutlich zurück.

Da kommt die Angst auf: Werden sie sich je zusammenreißen?

Das Blatt wendet sich

Auch wenn viel (zu viel) Beziehungskram thematisiert wird und der Handlungsort immer derselbe bleibt, passiert einiges Beeindruckendes. Der Spannungsaufbau ist weiterhin vorhanden und findet einen großartigen Abschluss. Keine der Figuren befindet sich im selben Status wie am Anfang – jede hat gewisse Dinge für sich akzeptiert, sich weiterentwickelt und ist stärker geworden. Vermutlich brauchte es dafür viele der sentimentalen Phasen, die sich durch das Buch ziehen: um am Ende dem Leser vor Augen führen zu können, wie sehr sich Thymara, Sedric und Alise verändert haben. Somit wird die Schwäche des Buches gleichzeitig zu seiner Stärke. Also ja: Sie werden sich zusammenreißen.

Geheimnisse

In diesem Band offenbart sich neben den alten Namen der Drachen, die ich ja nun schon seit den Zauberschiffen verfolge, auch die Identität des Teermanns. Besonders für diejenigen, die die Zauberschiffe mit Interesse gelesen haben, die Maulkins Knäuel und dessen Schicksal mit Anteilnahme verfolgt haben, sollten die Regenwildnis-Chronik lesen. Man erfährt einiges über die Altvorderen und deren Entstehung, was natürlich einer der Hauptgründe für mich ist, das Buch weiterzulesen. Gut verteilt über das Buch werden einem neugierigen Leser wie mir immer wieder ein paar kleine Häppchen hingeworfen. Mehr davon, mehr! Mehr!

Vergleich zu den anderen Reihen

Nun, da ich selbst (fast) alle Geschichten von Hobb gelesen habe bzw. alle Welten kenne, kann ich einen guten Vergleich ziehen. Die Regenwildnis-Chroniken sind deutlich weiblicher geschrieben, was man nicht ganz damit entschuldigen kann, dass die meisten der Hauptfiguren weiblich sind. Das war in den Zauberschiffen schließlich auch der Fall. Ich nehme an, es ist vor allem Alise geschuldet, die sehr viel ängstlicher ist als die meisten von Hobbs Charakteren. Doch die Kulisse für ihre Sanftheit bildet die wohl härteste Umgebung, nämlich der Regenwildfluss. Und dieser Fluss ist definitiv ein Bonus, der sogar die „liebliche“ Seite der Chroniken ausgleichen kann. Bei keinem anderen Roman von ihr war ich so auf die Entdeckung dessen fixiert, was sich hinter der nächsten Kurve, hinter der nächsten Abzweigung verbirgt.

So lasse ich also alle schimpfen, diese Romanreihe reiche nicht an die anderen heran. Denn das stimmt nicht. In keinem anderen wurde eine solche Spannung allein dadurch erreicht, dass die Hauptcharaktere einen Fluss hinauffahren.

Fazit: Ein Roman, bei dem man sich manchmal über die Charaktere aufregen muss, der aber dennoch so viele interessante Handlungsstränge und Geheimnisse bereithält, dass man etwas verpasst, wenn man ihn nicht liest.

Erscheinungsdatum des dritten Bandes ist bisher noch nicht bekannt. Laut Heyne ist er noch nicht fest geplant, aber im Gespräch. Heißt wohl, der kommt dann erst in einem Jahr raus. „City of Dragons“ (Band 3) ist auf Englisch im Februar 2012 erschienen, der letzte Band („Blood of Dragons“) erscheint im Februar 2013.

Zwischengeplauder

Zur Zeit nimmt mich das Leben sehr in Anspruch und ich bin froh, wenn ich es schaffe, wenigstens zu lesen. 😦 Armes kleines buchundblatt, wann finde ich wieder Zeit für dich?

Ich freue mich, dass eine neue Leserin zu meinem Blog gefunden hat, denn damit hat sie mir die Möglichkeit gegeben, ihr Blog zu entdecken. „Rad der Zeit“-Challenge? Da wäre ich so gern dabei, wenn nicht meine Bücher gerade in Umzugskartons stecken würden. Aber ich habe ja tatsächlich auch vor, die 35 Bände noch einmal zu lesen, bevor der Abschlussband erscheint. :>

Aktuell treibt mich wieder einmal um, dass ich bei blogspot einfach nicht kommentieren kann. Gibt es da noch ein Zaubermittelchen? Ich könnte wahnsinnig werden, jedesmal verschwinden meine Kommentare im Nirvana! Blogspot-Nutzer, bitte helft mir!

Was ich derzeit lese: Ich habe hier noch 2 bzw. 4 Bände der Reihe „Die Zauberschiffe“ vor mir liegen. Und Band 2 der Regenwildnis-Chroniken „Drachenkämpfer“. Alle diese Bücher spielen in einer Welt und sind von der genialen und leider sehr unbekannten Autorin Robin Hobb. Meine beste Freundin, hier als „Die Neugier“ getarnt, hat es geschafft, das letztere Buch vorgestern von der Post abzuholen und gestern morgen um 7 Uhr in der Früh schon fertig gelesen zu haben. Da kann ich nur sagen: Alle Achtung. o_o Wer weiß, wie lange ich wieder brauche, mein Lesetempo hat durch die äußeren Umstände deutlich abgenommen. Ich weiß nur eines: so schnell, wie sie es gelesen hat, muss es ja sehr spannend sein. 😉

Was mich freut: Neulich war ich endlich mal in diesem Gebrauchtwarenladen, denn ich wollte da schon ewig nach einer neuen Teetasse schauen. Leider finde ich in den Geschirr-Abteilungen der Läden immer nur Kaffeeservices. Und tatsächlich habe ich auch eine tolle, sehr zarte Teetasse gefunden, dazu noch eine Kanne. Ich hatte heute und gestern beim Frühstück richtig viel Freude. Was gibt es schöneres als eine Tasse Tee zu einem guten Buch?

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Ausgelesen: Lieder der Erde (Elspeth Cooper)

Ein junger Mann, eine große Begabung, eine Flucht. So hatte ich Elspeth Coopers „Lieder der Erde“ in meinem Angelesen beschrieben. Klingt recht banal.

Doch zum Glück wendet sich das Blatt, als Gair in Alterans Schule kommt und feststellt, dass sie eher einem großen Internat als einer kleinen exklusiven Hausschule ähnelt. Ich gebe gern zu, dass ich Internatsgeschichten mag. Durch ihre Ortsunflexibilität müssen sie mehr auf Beziehungen der Schüler untereinander bauen, die einem Buch durchaus mehr Spannung geben können als das Eilen von einem Ort zum nächsten. Hier wird der Autor viel mehr gezwungen, seinen Figuren einer Entwicklung auszusetzen.

Ist das hier geschehen? Nicht so ganz, finde ich. Man lernt vor allem, dass Gair sehr begabt ist. Das hat man schon vermutet und es gehört ja gewissermaßen auch zu einem typischen Repertoire. Es ist auch nicht uninteressant, herauszufinden, wie besonders eine Buchfigur ist. Dennoch hätte ich gehofft, dass Gair mehr Freundschaften schließt und mehr mit anderen Personen interagiert.

Am interessantesten neben Gairs Ausbildung ist wohl vor allem, dass sich zwei größere Hauptkonflikte abzeichnen. Zum einen sieht sich das Reich bedroht von rebellierenden Wüstenstämmen, weil es längst nicht mehr über seine alte Truppenstärke verfügt. Zum anderen ist da die Bedrohung der Verschmelzung zweier Welten, weil der schützende Schleier zwischen ihnen zu zerreißen droht. Durch verschiedene Akteure kann man als Leser die verschiedenen Handlungsstränge gut verfolgen und beobachten, wie sich langsam eine immer größere Gefahr aufbaut. Daher bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band.

Fazit: Sprachlich gut, aber nicht überragend, hat sich dieses Buch vor allem durch die Wahl eines festen Handlungsortes von anderen Reihen abgehoben. Gair ist ein solider Charakter, den man mögen kann und dessen Bestimmung ich zumindest interessiert verfolgt habe.

Info: „Lieder der Erde“ ist der Auftakt der auf vier Bände angelegten „Wild-Hunt“-Reihe. Im Juli kommt der zweite Band in den USA, während der deutsche noch bis zum 13. Februar 2013 auf sich warten lässt.

Elspeth Coopers Website

Ausgelesen: Legende von Shannara 1 (Terry Brooks)

Es ist schon eine Weile her, dass ich Legende von Shannara – Die Hüter des schwarzen Stabes gelesen habe. Leider ist mir vieles dazwischen gekommen…. 😦 Krank sein ist doof, Umzug auch!

Legende von Shannara, Legende Terry Brooks

Terry Brooks, ein großer Name, auch ein großer Autor?

Zu Sider Ament und Panterra gesellen sich noch zwei weitere Charaktere, aus deren Sicht erzählt wird. Phryne, eine Elfe, und Deladion Inch, ein Mensch von außerhalb des Tals. Deladion Inch ist aufgrund seiner Herkunft neben Sider Ament einer der interessanteren Charaktere, aber mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht der Grund für sein Mitmischen.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Elfen mit ihrem lockeren Mundwerk kein sehr typisches Bild abgeben. Denn Anmut ist nicht unbedingt die Eigenschaft, mit der ich die mir bisher bekannten Elfen in dem Buch beschreiben würde. Sie unterscheiden sich meines Erachtens nicht wirklich von den Menschen. Interessant ist auch die fehlende Magie der Elfen. Normalerweise denkt man, dass diesen beiden Komponenten nicht getrennt sein können – in diesem Buch schon. Man kann also gespannt sein und miterleben, wie die Elfen ihre Magie wiederfinden. Was mir weniger einleuchtet, ist die Tatsache, dass immer wieder betont wird, sie seien in diesem abgeschiedenen Tal für sich isoliert. Denn diese Isolierung trat in meinen Augen kaum in Erscheinung.

Weiterhin zugute halte ich dem Autor, dass er nicht, wie der Klappentext beschreibt, die Suche nach einem magischen Gegenstand zum Hauptthema macht, sondern den Konflikt zweier sehr unterschiedlicher Welten. Dieser Konflikt trägt auch das Buch.

Wenig plausibel dagegen erschienen mir die Kinder des Hawk, oder besser: die Macht dieses religiösen Ordens. Wie kann ein Orden eine solche Macht haben, dass er Menschen das Andersdenken verbieten und sie zur Flucht aus ihrer Heimat treiben kann, ohne dennoch ein allgemeingültiges Dogmazu haben? Hier schien mir die Macht des Ordens in den verschiedenen sozialen Bereichen zu ungleich konstruiert.

Schreibstil, Storyaufbau, Charaktere: Alles in allem nicht weltbewegend. Ich gebe zu, irgendwo tief in meinem Inneren habe ich mich gepflegt gelangweilt. Nicht sehr, aber so mitreißend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, war es nicht. Die Charaktere mochte ich, aber mich verbindet auch keine besonders große Liebe zu ihnen.

An manchen Stellen sind mir auch Logikfehler aufgefallen, die sich aber weniger auf die Story als auf einzelne Sachen bezogen haben. Da war es einmal Herbst, ein andermal Frühling, Tag wechselte plötzlich zu Nacht – ich weiß nicht, ob man das Terry Brooks oder dem Übersetzer zu Lasten legen soll.

 Fazit: Shannara ist ein mittelmäßig mitreißender Roman mit einem Konflikt, der einiges erhoffen lässt.

Daher eher: Terry Brooks, ein großer Name, ein durchschnittlicher Autor. Vermutlich wäre mir überhaupt nicht aufgefallen, dass er mich nur mäßig mitreißt, hätte ich in dieser Zeit nicht auch noch sehr viel bessere Autoren gelesen. In einem Umfeld, wo es vor aufregenden Ideen und viel größerem Schreibtalent nur so wimmelt, kann Shannara schwerlich sehr gut abschneiden.