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Rezension: Drachenkämpfer (Robin Hobb)

Nun ist es ja auch schon wieder einige Monate her, seit „Drachenkämpfer“, die Fortsetzung zu „Drachenhüter“, erschienen ist. Ich habe den Band mit den prophetischen Worten meiner Freundin im Hinterkopf gelesen, die da lauteten: „Du wirst schon merken, dass er Schwachstellen hat.“ Wie jetzt? Ein Roman von Robin Hobb mit Schwachstellen?! Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber sehen wir selbst.

Inhalt

Alise, Thymara und Sintara, die Drachin, sind zusammen mit den anderen Hütern und Drachen auf dem Weg nach Kelsingra, der legendären Stadt der Altvorderen. Doch nicht alle haben das Wohl der verkrüppelten Drachen im Kopf. Manche von ihnen wurden heimlich angeheuert, um die wertvollen Körperteile der Drachen einzusammeln, sei es von den Lebenden oder Toten. Während im Hintergrund die skrupellosen Plünderer lauern, sind die Hüter uneins.

Vornehmlich ist dieser Band dem Wachsen gewidmet. Dem Wachsen der verkrüppelten Drachen, dem Wachsen der Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Und der Liebe. Ja, der Liebe.

Stetig vorwärts

Die Geschichte ist linear aufgebaut, Handlungsort ist der Regenwildfluss. Da bleibt wenig Platz für Abwechslung, aber stattdessen mehr Raum für die Entwicklung der Figuren. Und ja, das heißt nicht nur Tiefe der Charaktere, sondern manchmal auch das Genervtsein des Lesers über die neuerlichen Selbstmitleid-Phasen einiger Figuren.

Thymara, der man irgendwie die Pubertät anmerkt, weil sie zu stur und trotzig ist, um manche Dinge auch von einer anderen Seite her zu überdenken.

Alise, die viel zu naiv für die Welt ist und so lange Zeit aus ihrer ängstlichen Haut nicht herauskann, dass man ihr nur zu gern einen Schubs geben möchte.

Sedric, der völlig verblendet ist von seiner Liebe und zudem ein völliges Weichei.

Und natürlich Sintara, die arrogante Drachin. Von ihr liest man in diesem Band viel zu wenig, finde ich. Zumindest bleibt sie hinter den anderen Figuren deutlich zurück.

Da kommt die Angst auf: Werden sie sich je zusammenreißen?

Das Blatt wendet sich

Auch wenn viel (zu viel) Beziehungskram thematisiert wird und der Handlungsort immer derselbe bleibt, passiert einiges Beeindruckendes. Der Spannungsaufbau ist weiterhin vorhanden und findet einen großartigen Abschluss. Keine der Figuren befindet sich im selben Status wie am Anfang – jede hat gewisse Dinge für sich akzeptiert, sich weiterentwickelt und ist stärker geworden. Vermutlich brauchte es dafür viele der sentimentalen Phasen, die sich durch das Buch ziehen: um am Ende dem Leser vor Augen führen zu können, wie sehr sich Thymara, Sedric und Alise verändert haben. Somit wird die Schwäche des Buches gleichzeitig zu seiner Stärke. Also ja: Sie werden sich zusammenreißen.

Geheimnisse

In diesem Band offenbart sich neben den alten Namen der Drachen, die ich ja nun schon seit den Zauberschiffen verfolge, auch die Identität des Teermanns. Besonders für diejenigen, die die Zauberschiffe mit Interesse gelesen haben, die Maulkins Knäuel und dessen Schicksal mit Anteilnahme verfolgt haben, sollten die Regenwildnis-Chronik lesen. Man erfährt einiges über die Altvorderen und deren Entstehung, was natürlich einer der Hauptgründe für mich ist, das Buch weiterzulesen. Gut verteilt über das Buch werden einem neugierigen Leser wie mir immer wieder ein paar kleine Häppchen hingeworfen. Mehr davon, mehr! Mehr!

Vergleich zu den anderen Reihen

Nun, da ich selbst (fast) alle Geschichten von Hobb gelesen habe bzw. alle Welten kenne, kann ich einen guten Vergleich ziehen. Die Regenwildnis-Chroniken sind deutlich weiblicher geschrieben, was man nicht ganz damit entschuldigen kann, dass die meisten der Hauptfiguren weiblich sind. Das war in den Zauberschiffen schließlich auch der Fall. Ich nehme an, es ist vor allem Alise geschuldet, die sehr viel ängstlicher ist als die meisten von Hobbs Charakteren. Doch die Kulisse für ihre Sanftheit bildet die wohl härteste Umgebung, nämlich der Regenwildfluss. Und dieser Fluss ist definitiv ein Bonus, der sogar die „liebliche“ Seite der Chroniken ausgleichen kann. Bei keinem anderen Roman von ihr war ich so auf die Entdeckung dessen fixiert, was sich hinter der nächsten Kurve, hinter der nächsten Abzweigung verbirgt.

So lasse ich also alle schimpfen, diese Romanreihe reiche nicht an die anderen heran. Denn das stimmt nicht. In keinem anderen wurde eine solche Spannung allein dadurch erreicht, dass die Hauptcharaktere einen Fluss hinauffahren.

Fazit: Ein Roman, bei dem man sich manchmal über die Charaktere aufregen muss, der aber dennoch so viele interessante Handlungsstränge und Geheimnisse bereithält, dass man etwas verpasst, wenn man ihn nicht liest.

Erscheinungsdatum des dritten Bandes ist bisher noch nicht bekannt. Laut Heyne ist er noch nicht fest geplant, aber im Gespräch. Heißt wohl, der kommt dann erst in einem Jahr raus. „City of Dragons“ (Band 3) ist auf Englisch im Februar 2012 erschienen, der letzte Band („Blood of Dragons“) erscheint im Februar 2013.

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Und Hitze ist’s!

Sieben Bücher von Frau Hobb habe ich nun hinter mir – gestern habe ich auch endlich „Drachenkämpfer“ zu Ende gelesen. Der nächste Hobb-Band liegt schon bereit, ich wage mich nun an die Weitseher-Bände heran. Man kann einfach nicht von ihr lassen, wenn man sie einmal entdeckt hat, oder? 🙂

Doch zwischenrein schiebe ich leichte Lektüre, auf die ich einfach mal Lust hatte. „Der siebte Schwan“ von Lilach Mer erinnerte mich zu sehr an das Märchen, als dass ich das Buch einfach wieder weglegen konnte. Zwar sieht es nach der derzeit so heiß begehrten Romantasy aus, aber manchmal… manchmal ist es auch ganz nett, locker-flockige Lektüre zu genießen. Vor allem, wenn draußen die Sonne die ganze Hitze des Sommers auf einmal ausschüttet.

Ziemlich viele Adjektive benutzt die Autorin, was den Prolog eher schwülstig-kitschig geraten lässt anstatt geheimnis- und ahnungsvoll. Doch überraschenderweise gefällt mir der Stil des ersten Kapitels richtig gut. Angenehm zu lesen, sogar recht gut der Zeit angepasst, in der der Roman spielt. Wovon handelt die Geschichte? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ich lese doch allerhöchstens die schwammigen Inhaltsangaben auf der Rückseite (die kaum je Wahrheitsgehalt haben).

Wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr ein Buch entdeckt, das ihr lesen wollt? Von was lasst ihr euch anleiten? Was verführt euch?

Zauberschiffe und Neunaugensee

Und ist wieder ist eine Woche um! Wenn ich momentan sehe, wie schnell die Wochen verfliegen, wird mir angst und bange. Vor allem, wenn man die Zeit in Relation zu den Büchern setzt, die ich währenddessen gelesen habe.

Voller Stolz kann ich jedoch berichten, dass ich nun immerhin im vierten Band der Zauberschiffe angekommen bin. Inzwischen hat die Serie einen mächtigen Sog entwickelt, dem ich kaum entrinnen kann. Unterbrechungen? Ich werde ungehalten! Ich habe mir fest vorgenommen, das sommerliche Wetter (und es existiert doch!) dazu zu nutzen, um ein bisschen zu wandern. Das wird schwierig werden. (Ich muss das Buch wohl mitnehmen.)

Einstieg in eine neue Welt

Neunaugensee – oder auch Pandlarin genannt – wird in etwa die Gegend sein, aus der mein DSA-Charakter kommt. Ich habe ein ausgesprochenes Faible für Landkarten, daher musste mein Charakter von einem Ort kommen, der für mich interessant aussieht. (Da gab es natürlich noch viel mehr Orte.) Bisher habe ich das Spiel noch keinmal gespielt, aber ich bin trotzdem schon begeistert. Denn „Das Schwarze Auge“ besitzt genau das, was ich liebe: eine ausgereifte Fantasy-Landschaft. Zu Weihnachten habe ich „Wege der Götter“ geschenkt bekommen – ich war hin und weg! Denn mich interessieren erfundene Mythologien und Götterwelten einfach ungemein. Die „Geographia Aventurica“ ist da auch ein Ding für sich… *_* (Auch wenn ich die Gegend, aus der ich kommen möchte, ungenügend geschildert findet. Hätte da gern einfach noch mehr Infos.)

Ich kenne mich also schon ein bisschen in Aventurien aus. Ich kann sogar schon ein wenig klug daherreden. „Das Nebelmoor liegt östlich vom Neunaugensee? Also bitte!!“ Aber gespielt habe ich noch nicht. 😀

Der heutige Abend ist als erster Spielabend angedacht. Ich muss zugeben, ich bin etwas aufgeregt. Ich habe vor etwa zehn Jahren ein einziges Mal ein Pen&Paper-Rollenspiel gespielt, aber irgendwie zähle ich das nicht. Es wird also eine Premiere auf einem mir unbekannten Gebiet, ich bin wirklich gespannt.

Vorgestellt: Die Zauberschiffe (Robin Hobb)

Neu sind sie nicht gerade und auch ihre Cover erzählen noch von alten Zeiten: die Bücher der „Zauberschiffe“-Reihe von Robin Hobb. Doch ich habe mir vorgenommen, eine der wenigen Autorinnen im Fantasy-Bereich zu unterstützen, die es verstehen, eine Geschichte mit Struktur und gut durchdachten Charakteren zu erschaffen. So eine ist Frau Hobb nämlich. Und sie ist sogar die bisher einzige Frau, die mich wirklich überzeugen konnte – der Rest meiner Lieblingsautoren ist ausnahmslos männlich. Vielleicht liegt es am Namen?

 Inhalt: Schiffe aus Hexenholz und Seeschlangen

 Althea Vestrit liebt Viviace, das Zauberschiff ihrer Familie, sehr. Als Tochter einer Handelsfamilie weiß sie, wie wichtig die Verbindung zwischen dem Lebensschiff und ihrer Familie ist. Daher trifft es sie sehr hart, als ihr Vater bei seinem Tod das Schiff auf ihre ältere Schwester Keffria überträgt. Denn deren Mann Kyle hat vor, aus der Viviace ein Sklavenschiff zu machen. Obwohl die Familie in Geldnöten ist, ist Althea entsetzt: Viviace ist soeben erst erwacht und muss sogleich mit all diesen negativen Gefühlen hunderter Sklaven zurechtkommen?

Derweil wird ihr Neffe Wintrow dazu gezwungen, eine Verbindung zu Viviace einzugehen, denn nur ein echtes Familienmitglied kann ein Lebensschiff segeln. Doch Wintrow fühlt sich nicht zum Seemann geschaffen – er war mitten in der Ausbildung zum Priester. So ist seine Faszination an der Viviace von Groll überschattet.

Und dann sind da noch Amber, eine geheimnisvolle Holzschnitzerin, Paragon, das verrückte Lebensschiff, Brashen, der Versager, Malta, die kleine Hinterhältige, und Kennit, der eingebildete Pirat, der unbedingt ein Zauberschiff kapern will. Und eine Menge Seeschlangen…

Von den drei Geschichten von Hobb, die ich kenne, ist diese hier vielleicht die beschaulichste. Ich will nicht sagen, dass sie langweilig ist, weil sie immer noch besser ist als 70% der sonstigen Fantasy. Aber es gibt Stellen, an denen die Geschichte sich sehr langsam entfaltet – und da ist es bei mir vor allem das Wissen aus den Regenwild-Chroniken, das meine Neugier vorantreibt. Denn einige der Charaktere und einige zukünftige Handlungen kenne ich bereits, und nun will ich wissen, wie es dazu kommt.

Dann gibt es wieder Stellen, wo man am liebsten nicht mehr aufhören mag mit lesen, denn manchmal werden einem die Brocken hingeworfen, nach denen man giert: Was verbirgt sich in der Regenwildnis, wann findet Viviace heraus, was mit ihr nicht stimmt, wer ist Amber?

Interessanterweise ist es Malta, die unerträgliche und hinterlistige Göre, auf deren Abschnitte ich mich nun am meisten freue. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, aber ich finde sie vor allem deswegen so spannend, weil ich Maltas Alter Ego der Zukunft kenne. Ich habe wirklich sehr, sehr lang gebraucht, um den Zusammenhang herzustellen, da ich nicht mehr alle Namen aus den Regenwild-Chroniken kannte. Und dann hat mich die Diskrepanz der beiden Charaktere mit dem gleichen Namen gepackt. Zwar wurden mir gewisse Entscheidungsmöglichkeiten für ihre Zukunft schon vorweggenommen, aber das macht es ja nicht weniger spannend zu lesen, wie sie dorthin kommt, wo sie später steht.

Dasselbe gilt für Althea und Brashen, im geringeren Maß.

Wer erschafft interessante Charaktere?

Bewundernswert, wieder einmal, ist das Können der Autorin im Gestalten ihrer Charaktere. Gerade mit Althea und Malta hat sie zwei Figuren geschaffen, deren Tiefe mich beeindruckt. Sie sind glaubhaft und interessant, sie verhalten sich nicht eindimensional. Althea zum Beispiel kämpft immer wieder mit ihrem Wunsch, unabhängig und verantwortungsvoll zu sein, aber dann doch feststellen zu müssen, dass sie manchmal wie eine verzogene Göre handelt.

Ob Brashen, der der rechtschaffene Typ schlechthin ist und doch drogenabhängig, oder Amber, kindlich und geheimnisvoll, oder Kennit, maßlos eingebildet und gefühlskalt… ich wünschte mir, dass in so manch anderem Roman wenigstens eine der Hauptfiguren eine solche Tiefe besäße.

Was ich hasse …

…sind emotional-kitschige Charaktere. In den Romanen, die ich bisher von Robin Hobb kenne, hat sie eine erfrischend nüchterne Art zu erzählen. Ob Männlein oder Weiblein, niemand jammert und klagt, als wäre der Weltuntergang nah. Und trotzdem steckt in den Figuren oft eine größere Tiefe der Gefühle als in allen anderen heulenden Figuren, die mir bisher so begegnet sind.

Interessanterweise neigen nämlich vor allem männliche Autoren zu männlichen Charakteren, die unter sehr weiblichen (und nicht unbedingt realistischen) Gefühlsausbrüchen leiden. Ein Großteil aller Fantasy-Romane, die ich nicht besonders mag, scheitern vor allem an einer zu emotionalen Erzählweise angesichts der großen Trivialität, die die Erzählung ausmacht. Heulende Männer? Du meine Güte. In der Realität kein Problem, aus meinen Büchern sollten sie fernbleiben. („Manly Tears“ gehen in Ordnung. Wir wollen mal nicht so sein.)

Von daher, ich kann sie euch nur ans Herz legen, wenn ihr sie noch nicht kennt. Aktuell ist der zweite Band der Regenwild-Chroniken erschienen, also: greift zu!

P.S.: Ich finde die Cover immer noch urkomisch! Denn sie zeugen so sehr von dem alten Image der Fantasy aus den 90ern! 😀 (Sind aber 2008 erschienen.)

Ausgelesen: Drachenhüter (Robin Hobb)

Eigentlich habe ich viel zu lange mit einem Ausgelesen gewartet. Denn bald schon erscheint der zweite Band. Aber da ein Angelesen immer nur bewusst die ersten Eindrücke wiedergeben soll, mache ich es dennoch.

Robin Hobb kann es einfach. Sie kann erzählen, wie sonst kaum einer in der Fantasy-Zunft. Sicher, man muss die Geduld haben, ihr zu folgen, sich auf ihre Erzählweise einzulassen und nicht vorstürmen zu wollen wie ein junger Hund. Aber wenn man die Geduld hat, wenn man eine ausgereifte Geschichte lesen möchte: Dann greife man zu Robin Hobb!

Denn ihre Charaktere, ihre Handlung, ihre Geheimnisse – sie weiß es zu erzählen und Schicht für Schicht zu entblättern, immer gerade so viel an Enthüllung zu gestatten, dass es den Leser weiter antreibt. Trotz ihrer langsamen Erzählweise finde ich „Drachenhüter“ immer noch spannender zu lesen als die wesentlich schnelllebigeren „Shannara“ und „Lieder der Erde“.

Und mit Drachen drin!

Vor allem die Drachen gefallen mir hier.

Sie sind launisch, unberechenbar, ungeheuer eitel und arrogant – und Krüppel. Sehr akribisch wird ihr Bild gezeichnet, zum einen durch die Legenden, die sich immer wieder einschleichen, zum anderen durch die wechselnden Sichtweisen der Hüterin Thymara, der Forscherin Alise und der Drachin Sintara. Während Thymara einen unverstellten Blick auf Sintara hat und Mitleid für ihren verkrüppelten Körper empfindet, aber Abscheu vor ihrem Charakter, ist Alise gebannt – weniger von Sintaras wahrem Wesen, sondern von den Legenden, die sich um die Drachen spinnen. Alise sieht Sintara also nur durch den Schleier der Vergangenheit. Und in diesem Schleier, in diesem Glanz lebt Sintara. Sie fühlt sich den Menschen überlegen, wie es sich für ihre Art gehört. Doch sie spürt die Diskrepanz zwischen ihrem wahren alten Ich und ihrem Körper. Das macht sie nicht nur arrogant und launisch, sondern auch verbittert.

Verpuppen, schlüpfen, dahin vegetieren und endlich zum ersten Mal selbst jagen – durch die Sichtweise Sintaras wird uns all das nahegebracht. Es klingt so wahrhaft tierisch. Und so sind die neuen Drachen ja auch. Kaum mehr als Tiere. Und dennoch: eben mehr. Eben das, was Legenden aus ihnen machen.

In der neuen Reihe von Hobin Hobb wird wunderbar mit dem Klischee der Drachen gespielt, die vielleicht edel und meistens auch intelligent sind, aber ansonsten unerträgliche Biester, die vor allem deshalb so schrecklich arrogant sind, weil sie zu groß sind, um sie einfach zu ignorieren.

Trotzdem fällt es schwer, Sintara nicht zu mögen. Das muss man so sagen.

Fazit: Wenn ihr unbedingt Drachenbücher lesen wollt, weil Drachen tolle Wesen sind, dann könnte Drachenhüter von Robin Hobb euch vielleicht etwas erschrecken. Drachen gibt es zuhauf, aber eben nicht unbedingt die, die man so erwartet. Aber wenn ihr eigentlich schon längst keine Drachenbücher mehr sehen könnt, dann greift unbedingt zu Drachenhüter!

Zusatzinfo: Drachenhüter ist im selben Universum wie die Zauberschiffe-Reihe angesiedelt, die in Deutschland aber leider nicht mehr erhältlich ist. 😦 Wie so viele Romane von Robin Hobb. Band 2 erscheint im Juli.

Angelesen: Die Räder der Welt (Jay Lake)

„Der Engel erstrahlte im Schein von Hethors Lesekerze so hell wie eine Messing-Maschine. In irrationaler Hoffnung griff der junge Mann nach seiner abgenutzten Bettdecke, als könnten die zusammengenähten Baumwollreste ihn vor der Macht schützen, die in seine Dachkammer eingefallen war.“ (S.7)

Ich habe es gefunden: ein Frühlingsbuch. 🙂 Und dazu eines, das mit einem wunderschönen Cover, einer interessanten Weltbeschreibung und diesem tollen ersten Satz aufwarten kann. Was will man mehr? Ach ja, richtig, die Geschichte sollte natürlich schon spannend sein.

Mit gerade mal 363 Seiten ist Räder der Welt nicht besonders dick, deswegen  erlaube ich mir schon jetzt – nach etwas über 50 Seiten – ein „Angelesen“.

Inhalt:

Mitten in der Nacht erscheint der Erzengel Gabriel in Hethors Dachkammer, um ihm einen großen Auftrag zu geben. Er soll den Schlüssel der Bedrohung finden, um mit ihm das Uhrwerk der Welt aufzuziehen – denn die Zeit gerät schon langsam aus den Fugen und hört bald ganz auf. Und wie immer bei solchen Aufträgen wird Hethor nicht gefragt, ob er überhaupt die Welt retten will. Denn eigentlich ist er nur ein Lehrling und seine Arbeitskraft ist im Besitz seines Lehnsherren und Meisters. Er kann nicht einfach in die Welt hinausstiefeln – aber Hethor weiß, er muss wohl doch irgendwie einen Weg finden.

Jay Lake hat eine Welt entworfen, in der die Erde an Zahnrädern durch das Weltall rollt und in der alles auf dem Prinzip dieser Verzahnung ausgerichtet ist. Etwa in das späte 19. Jahrhundert in eine Alternativrealität gelegt, wird sogar das Christentum komplett danach ausgerichtet. Nicht gekreuzigt wurde Jesus, sondern gerädert. Man schlägt ein Rad, wie die Katholiken in unserer Welt das Kreuz schlagen. Man trägt einen geräderten Jesus an einer Kette um den Hals. Am Himmel sind die zwei Messingschienen erkennbar, die sich wie Hörner in die Höhe krümmen und an denen Gottes Existenz sichtbar wird.

Ist das nicht genial?! Eine Alternativrealität, in der die Handlung in einem vom englischen Vizekönig regierten Connecticut spielt – und dazu noch mit diesem wunderbar erdachten Konstrukt! Ich bin begeistert.

Hin und weg

Und ich bin restlos begeistert, weil es Jay Lake versteht, richtig gut zu schreiben. Man hat das Gefühl, alle Wörter sind am richtigen Ort und ergänzen sich so, dass sie fast poetisch klingen. Ich mag das Buch langsam lesen, damit ich auch ja nichts von seinen tollen Beschreibungen verpasse.

Auch Hethor ist ein toller Charakter, der eher einem Entwicklungsroman des 19. Jahrhunderts entstiegen zu sein scheint als einem Buch der Moderne. Er wirkt wie ein ganz und gar durchdachter Charakter, der sehr gekonnt in seine Umwelt integriert ist.

Es ist alles stimmig, alles passt. Und die Welt ist atmosphärisch dicht.

Atmosphärische Dichte

Ich glaube, bei vielen Fantasyromanen bemängele ich die Abwesenheit solcher. Die Trudy-Canavan-Bücher litten unter einer Leere, die in etwa so weiß war wie das deutsche Buchcover. Ein bisschen ähnlich ergeht es mir mit dem Shannara-Buch, auch wenn es da wesentlich geringer auftritt. Sogar bei Heldenwinter hatte ich stellenweise das Gefühl, da müsste noch mehr sein. Positiv in dieser Hinsicht finde ich die Bücher von Robin Hobb, weswegen ich sie wohl auch so verehre. Dasselbe trifft auf Richard Schwartz zu und das, was ich bisher von ihm gelesen habe.

Tolkien ist nach wie vor das beste Beispiel, an dem man es erklären kann. Seine Bücher sind entstanden, weil er eine Welt brauchte, um seine Phantasie-Sprachen zu erproben. Aber diese Welt hatte 50 Jahre Zeit, sich zu füllen. Und das merkt man seinem Herrn der Ringe auch an.

Während viele der modernen Romane lediglich ein grobes Muster häkeln, gibt es wenige, die sich die Mühe machen, dicht und fest zu stricken, auch wenn nur ein Bruchteil davon zu sehen ist. Als Beispiele außer den oben genannten fallen mir da noch Robert Jordan und sein monumentales Rad der Zeit und G.R.R. Martins Lied von Eis und Feuer ein.

Genreverwirrung

Um noch mal einen Bogen zurück zu Räder der Welt zu schlagen: Hier hat es der Autor leichter. Er muss mehr abändern als erfinden. Aber das macht er sehr gut, ich bin erstaunt.

Genremäßig gehört das Buch in die Unterform des Steampunk, des sogenannten Clockpunk. (Name erklärt sich wohl von selbst.) Verwirrend finde ich die Einordnung. Ist es Fantasy? Ist es Science-Fiction? Ist Steampunk ein eigenes Genre? Das deutsche Wiki gliedert es in die Sci-Fi ein, das englische in die Fantasy und spekulative Fiktion – als „alternative Weltgeschichte“, die im deutschen Wiki wiederum zur Sci-Fi gehört, so wie ich das auch sehe.  Wie seht ihr das?

Traumland: Phantastische Bibliothek Wetzlar

Heute ist es mir tatsächlich passiert: ich bin in das Traumland für jeden Fantasyleser gekommen. Hohe Regale mit allen nur erdenkbaren Fantasy-Titeln, darunter auch vergriffene, eine Bibliothek allein für phantastische Literatur.

Mir war die Phantastische Bibliothek Wetzlar durchaus bekannt. Als ich mich im Studium mit dem Thema „Fantasy und Religion“ auseinandergesetzt hatte, musste ich zwangsläufig darüberstolpern. Allerdings war ich der Meinung, die PBW würden nur Schriftenreihen wissenschaftlicher Art produzieren und Tagungen abhalten.

Nun ja, der Begriff „Bibliothek“ hätte mich aufmerken lassen sollen, aber soweit habe ich nie gedacht. Dass es tatsächlich irgendwo eine Bibliothek nur allein für Fantasy, Science-Fiction und Phantastik geben könnte – undenkbar, abstrakt! Doch es gibt sie, sie steht in Wetzlar und ich ärgere mich, dass ich nicht bei meiner Ankunft dort vorbeigeschnuppert bin.

Habe ich also noch gestern mit mir und meinem Schicksal gehadert, weil diesen Monat noch ein Umzug ansteht und ich nicht wusste, wie ich hier zu Artikeln komme:

Natürlich ist Robin Hobbs Zauberschiffe (12/99) nicht mehr aktuell – aber vergriffen. Und ich bin ein großer Fan dieser Dame, da musste das Buch mit.  Der Name des Windes von Patrik Rothfuss (9/08) ist ebenfalls älter – aber ein Bestseller. Ich muss einfach wissen, ob sein Ruf und sein Buch übereinstimmen. Neuer dagegen ist Elspeth Coopers Die Lieder der Erde (11/11). Mich hat hier vor allem immer das Cover angesprochen. Wie ich in meiner Aprilauswahl schon geschrieben hatte, stand Jay Lakes Räder der Welt (3/12) tatsächlich auf meinem Leseplan. Da musste ich einfach zugreifen.

Jetzt habe ich also fünf dicke Wälzer hier liegen, die alle bis Ende Mai gelesen werden müssen. Ob ich das wohl schaffe?!

Ein Angelesen von Die Räder der Welt wird noch innerhalb einer Woche erfolgen. Aber erst einmal sollte spätestens übermorgen das Angelesen zu Die Legende von Shannara fertig sein. 🙂