Rezension: Die zerbrochene Welt

von Ralf Isau

Inhalt

Taramis, der Tempelwächter von Jar’en, ist trotz seines jugendlichen Alters bereits ein Held. Darum macht er sich auf, mit Hilfe seines legendären Speers Ez ein geheimnisvolles Monster zu töten, das auf Zeridia sein Unwesen treibt. Er bringt den Unhold zur Strecke, doch es stellt sich heraus, dass dieser ein Seelenfresser vom Volk der Dagonisier ist. Und mit seinen letzten Worten stößt er einen Fluch über die Völker Beriths hervor.

Voller Unbehagen kehrt Taramis auf die Heilige Insel Jar’en zurück und muss feststellen, dass der Fluch eingetroffen ist. Die Dagonisier aus dem dunklen Zentrum von Berith haben es sich zum Ziel gesetzt, alle Menschenvölker zu unterwerfen. Taramis und der Hüter Marnas werden verschleppt und zur Sklavenarbeit gezwungen, die etwas mit dem Geheimnis der Dagonisier zu tun hat. Denn diese sind sogenannte Fischmenschen und können nur an Orten überleben, die keine Luftsphäre besitzen. Wie also konnte General Natsar und seine Truppen Orte wie die Heilige Insel stürmen?

Taramis hat zudem noch einen besonderen Grund zur Rache: Er will Shuria, die Schwester seiner Verlobten, sowie ihren Vater, den Hohepriester Eli, zurückholen. Sie wurden von den zwergenhaften Kirries entführt – und Eli kennt das Geheimnis der Bäume, die im Garten der Seelen stehen. Sollte dieses Geheimnis in die Hände der Dagonisier gelangen, dann wären alle Völker in großer Gefahr.

In den Händen Gaos

Ralf Isau entführt den Leser dieses Mal in eine völlig fremdartige Welt, die lediglich aus Schollen besteht und die von verschiedenen Ausprägungen menschlicher Völker besiedelt wird. Taramis selbst gehört zum Volk der Amphibienmenschen und kann sowohl an der Luft wie auch im luftarmen Äther überleben, welcher den Raum zwischen den Inseln ausfüllt. Fremdartige Reittiere wie Ätherschlangen und Mamoghs, fremdartige Menschen wie die Fisch- und Amphibienmenschen machen das Lesen zum Erlebnis. Auch die mentalen Begabungen, die reichlich im Kampf eingesetzt werden, sind eine fantastische Ergänzung zum bloßen Haudrauf.

An vielen Stellen kränkelt die Geschichte aber an der flachen Erzählweise und einem ebenso flachen Helden, der, weil er ständig in Aktion ist, nur sehr selten und dann in gedrängter Form zum Nachdenken kommt. Mit Taramis bin ich einfach nicht richtig warm geworden und die anderen Figuren sind lediglich Platzfüller und kommen kaum zur Geltung. Am interessanten ist da wohl Natsar, der General der Dagonisier. Ab und zu springt die Perspektive zu ihm und man erfährt einiges über seine Denkweise und die Ambitionen der Dagonisier. Doch auch er hat deutlich mehr Potenzial, das ungenutzt bleibt.

Manchmal hat man das Gefühl, die Geschichte wird zack-zack hintereinander weg erzählt, man „schwallt“ auf der Flucht oder der Jagd durch den Äther, ohne richtig viel von der Welt oder den Charakteren mitzubekommen. Zudem wird zuviel erklärt – man hat keine Chance, dem Geheimnis selbst auf die Spur zu kommen. Schließlich hat das Buch ein umfangreiches Glossar, das selbsterklärend sein sollte. Stattdessen scheint es für Vergessliche die Stellen im Buch wiederzugeben, an denen bereits alles erklärt wurde. Ebenso hätte ich mir eine Karte von dieser interessanten Welt gewünscht. Doch Karten sind bei Piper anscheinend zur Zeit Mangelware – oder ich hatte einfach nur das Pech, gleich zwei Serien ohne Karte zu erwischen.

Typisch für Ralf Isau ist der thematische Schwerpunkt Religion. Und genauso typisch ist der ernste (fast zu ernste) Umgang mit dem Thema Glauben. Da die Dagonisier an einen anderen Gott glauben, während der Rest der Menschen den Glauben an Gao vertritt, wird aus dem Kulturkampf ein Religionskrieg. Ein bisschen zu erzwungen sind meines Erachtens die klanglichen Anspielungen an das Hebräische, weswegen der Glaube an Gao fast gleichzusetzen mit dem Glauben an Jehova ist.Vor allem bei moralischen Aspekten führt die erzwungene Einheit von Glaube und Charakter zu einer seltsamen Blüte von Heiligkeit, die vor allem Taramis befallen hat. Er ist zu verbissen, seinen Status als gottesfürchtiger und rechtschaffener Mensch zu bewahren. Freude und Scherze scheint er nicht zu kennen. Und dem Charakter geht damit die Leichtigkeit verloren, mit der er die Geschichte hätte deutlich spannender machen können.

Fazit: „Die zerbrochene Welt“ ist ein durchaus interessantes und gut lesbares Buch, dem es allerdings trotz der interessanten Welt ein bisschen an Tiefe mangelt.

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