Angelesen: Das Licht hinter den Wolken (Oliver Plaschka)

Wenn Klett-Cotta einen neuen Fantasy-Titel auf den Markt wirft, ist es Zeit, da einmal einen Blick hineinzuwerfen. Vor allem dann, wenn es sich um einen deutschen Autor handelt. Klett-Cotta – bzw. die Hobbit-Presse – steht für Fantasy à la Tolkien: gut durchdachte Geschichten und ein ausgefeilter Schreibstil. Klett-Cotta steht für Namen wie Tad Williams und Patrick Rothfuss.

Licht hinter den Wolken_Klett-cottaIm März 2013 hat die Hobbitpresse „Das Licht hinter den Wolken – Lied des Zwei-Ringe-Lands“ von Oliver Plaschka herausgebracht, einen Autor, der schon mit „Die Magier von Montparnasse“ bei ihnen vertreten ist. Ein neues deutsches Schreibtalent?

April gegen den Rest der Welt

April will vor allem eines: Sie will Geschichte schreiben! Zum Glück hat sie eine Gabe, die sie zum Zauberschwert „Schneeklinge“ führt, das seit Jahrtausenden in einem alten Schloss versiegelt war. Von nun an ist sie unbesiegbar und kann die Schatten aus ihrer Vergangenheit endlich hinter sich lassen. Zusammen mit Jenner, einem halbmenschlichen Faun, macht sie sich daran, ihren Ruf aufzubauen.

Eine Bank ausrauben? Eine Post überfallen? Oder vielleicht den Widerstand gegen das marode Kaiserreich anführen? April stehen viele Möglichkeiten offen und einem geneigten Leser mag vielleicht auffallen, dass es mit der Moral bei April nicht weit her ist.

Die Kindheit war’s

Als Leser begleiten wir April schon von frühester Kindheit an und merken recht schnell, dass Anderssein in einem kleinen Dorf nicht unbedingt von Vorteil ist. Vor allem dann, wenn die Mutter tot ist und der Vater das Kind nur hasst. Irgendwann wehrt sich April gegen die gewalttätigen Übergriffe anderer und heraus kommt: eine nicht eben schuldbewusste junge Erwachsene.

Ganz ehrlich, mich fasziniert nicht so sehr, wie die Geschichte weitergeht, als vielmehr, wie April sich entwickelt. Sie ist an einigen Stellen der Geschichte schon fast überschwänglich unmoralisch im Sinne von: „Mir hat man Böses getan, also darf ich es auch“. April wirkt durch ihre mangelnde Reflexion, was sie da manchmal eigentlich denkt oder tut, herzlos und egoistisch.

Jenner, ihr Begleiter und aufgrund seines Schwertes auch „Banneisen“ genannt, ist ebenfalls nicht unbedingt von der Sorte, dem man seine Kinder anvertrauen würde. Aber seine Handlungen sind zielgerichtet. Kann er April beeinflussen?

Der geheimnisvolle Hintergrund

Und dann ist da noch Cassiopeia. Sie musste Schreckliches mit ansehen und Verrat erdulden – doch sie entscheidet sich für einen anderen Weg zu Macht und Stärke. Sie geht an die berühmte Kampfakademie von Leiengard. Wie passt sie und ihr Teil der Geschichte zum Rest? Bisher kann ich das noch nicht absehen. Ich bin gespannt.

Im Hintergrund agiert der Zauberer Sarik. Die Magie ist fast aus der Welt verschwunden und außerdem lauert da noch ein alter Feind, den es zu besiegen gilt. Wie hängt April mit diesem Teil der Geschichte zusammen?

Ein würdiger Klett-Cotta?

Ja! Wir haben hier eine gut aufgebaute Geschichte mit mehreren Erzählsträngen und -ebenen, wir haben einen Stil, der nicht bloß Wort an Wort reiht – und dann stellt mich Oliver Plaschka auch noch vor das große Rätsel, warum er die Tempora ändert. Welche Struktur steckt dahinter?

Fazit: Bisher ein interessanter und gut geschriebener Fantasy-Roman, der nicht ganz den üblichen Bahnen folgt.

(Bildrechte: Klett-Cotta)

Advertisements

3 Kommentare zu “Angelesen: Das Licht hinter den Wolken (Oliver Plaschka)

  1. Die Magier waren ja nicht wirklich meins, darum tue ich mich schwer damit, es mit dem neuen Roman zu versuchen, obwohl ich dem Autor noch eine Chance geben wollte. Bin auf mehr von Deiner Meinung gespannt!

  2. Oh, da fragst Du was, das ist ewig her, seit ich es gelesen habe. Darum hier mal ein Auszug meiner (sehr kurzen Meinung damals (habe nur 150 Seiten gelesen und dann abgebrochen):

    Das mich der Roman nicht überzeugen konnte, hat mehrere Gründe, die zusammen bewirkt haben, dass ich das Buch schließlich zur Seite legen musste.
    Schon am Beginn fiel es mir sehr schwer, mich auf das Gelesene zu konzentrieren. Es wird sehr viel nacherzählt, ohne dabei die laufende Handlung zu berücksichtigen. Gleichzeitig bleibt sehr viel offen und Plaschka verliert sich in einer detaillierten Szene nach der nächsten. Diese haben nicht vordergründig etwas mit dem Fortlauf zu tun, da werden ausgiebig Kleidungsstücke angelegt, Dinge hin und her gebracht und Mimiken studiert.
    Die einzelnen Kapitel sind mit Namen überschrieben und zwar mit jenen der Personen, die auch im Kapitel zu Wort kommen. In der Ich-Form! Es gibt Justine, ein Dienstmädchen vom Lande, die Besitzer des Hauses, Ravi den Zauberkünstler und Barneby ein Mitglied der Societé. All diese Menschen haben individuelle soziale Hintergründe, Meinungen und Gedanken. Das legt sich aber leider nicht in der Sprache nieder. Justine spricht genauso hochgestochen wie Ravi, denkt zusammenhängend und formuliert wie die Besitzer des Hauses (ebenfalls einfache Leute) alles ganz genau aus. Da hätte es mehr Raffinesse gebraucht, da hätte mehr mit der Sprache und den Figuren gespielt werden müssen.
    Es gab aber auch Passagen, die habe ich sehr genossen und viel Spaß beim lesen empfunden. Aber das waren zu wenige, um mich schließlich zu überzeugen. Die meiste Zeit habe ich nicht verstanden worum es nun eigentlich geht.
    Das Resultat aus all diesen Einzelpunkten war dann mein Abbruch. Schade. Allerdings möchte ich einräumen, dass ich durchaus ein anderes Werk des Autors zur Hand nehmen und lesen würde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s