Ausgelesen: Lieder der Erde (Elspeth Cooper)

Ein junger Mann, eine große Begabung, eine Flucht. So hatte ich Elspeth Coopers „Lieder der Erde“ in meinem Angelesen beschrieben. Klingt recht banal.

Doch zum Glück wendet sich das Blatt, als Gair in Alterans Schule kommt und feststellt, dass sie eher einem großen Internat als einer kleinen exklusiven Hausschule ähnelt. Ich gebe gern zu, dass ich Internatsgeschichten mag. Durch ihre Ortsunflexibilität müssen sie mehr auf Beziehungen der Schüler untereinander bauen, die einem Buch durchaus mehr Spannung geben können als das Eilen von einem Ort zum nächsten. Hier wird der Autor viel mehr gezwungen, seinen Figuren einer Entwicklung auszusetzen.

Ist das hier geschehen? Nicht so ganz, finde ich. Man lernt vor allem, dass Gair sehr begabt ist. Das hat man schon vermutet und es gehört ja gewissermaßen auch zu einem typischen Repertoire. Es ist auch nicht uninteressant, herauszufinden, wie besonders eine Buchfigur ist. Dennoch hätte ich gehofft, dass Gair mehr Freundschaften schließt und mehr mit anderen Personen interagiert.

Am interessantesten neben Gairs Ausbildung ist wohl vor allem, dass sich zwei größere Hauptkonflikte abzeichnen. Zum einen sieht sich das Reich bedroht von rebellierenden Wüstenstämmen, weil es längst nicht mehr über seine alte Truppenstärke verfügt. Zum anderen ist da die Bedrohung der Verschmelzung zweier Welten, weil der schützende Schleier zwischen ihnen zu zerreißen droht. Durch verschiedene Akteure kann man als Leser die verschiedenen Handlungsstränge gut verfolgen und beobachten, wie sich langsam eine immer größere Gefahr aufbaut. Daher bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band.

Fazit: Sprachlich gut, aber nicht überragend, hat sich dieses Buch vor allem durch die Wahl eines festen Handlungsortes von anderen Reihen abgehoben. Gair ist ein solider Charakter, den man mögen kann und dessen Bestimmung ich zumindest interessiert verfolgt habe.

Info: „Lieder der Erde“ ist der Auftakt der auf vier Bände angelegten „Wild-Hunt“-Reihe. Im Juli kommt der zweite Band in den USA, während der deutsche noch bis zum 13. Februar 2013 auf sich warten lässt.

Elspeth Coopers Website

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4 Kommentare zu “Ausgelesen: Lieder der Erde (Elspeth Cooper)

  1. Vor ein paar Monaten habe ich das Buch begonnen, war aber von Prolog und erstem Kapitel so abgeschreckt, dass ich es wieder beiseite gelegt habe.

    • Ich weiß ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr, wie es anfing. Generell gebe ich den Büchern schon eine Chance über den Prolog hinaus, weil viele sich erst im Laufe der Geschichte richtig gut entwickeln. Solch erzählerische Talente wie Tolkien oder Rothfuss, die schon mit den ersten Sätzen kleine Meisterwerke basteln, gibt es eben nicht oft.
      Zwar sehe ich nicht, dass „Lieder der Erde“ je ein Meisterwerk wird, aber es hat mich recht gut unterhalten. Ein Buch, das man lesen und wieder vergessen kann, sicher nichts, was einen tief bewegt und nicht mehr loslässt.
      Was genau fandest du denn so abschreckend?

      • Einfach die Art, wie es geschrieben war. Ich dachte es wäre „hochwertiger“. Da ich für das buch Geld ausgegeben habe, werde ich es mir sicher nochmal vornehmen, aber ich weiß noch nicht wann. Ich hoffe ja immer auf einen würdigen Robin Hobb Nachfolger zu treffen oder einfach einen Autor(in), der mich gefangen nehmen kann.

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