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Unsterblich – Tor der Dämmerung

Das zweite Buch aus der Reihe von Jugendbuch-Dystopien, die ich vorstellen möchte, ist Julie Kagawas neueste Reihe. Julie Kagawa, bekannt für die Feen-Bücher, hat sich diesmal einer anderen Legende angenommen: Vampire. Richtig. Es ist ein Vampirroman.

Inhalt

IMAG1227-1Allison ist eine Unregistrierte. Weil sie keine Lust darauf hat, ständig den Vampirherrschern der City einen Blutzoll zu leisten, lebt sie lieber im Schatten der Gesellschaft – oft hungrig und einsam. Auf ihrer Suche nach Nahrung verlässt sie den schützenden Ring der Stadt und wird prompt von Verseuchten angegriffen und von ihnen gebissen. Doch dann taucht ein Vampir auf, der sie vor die Wahl stellt: weiterleben als Vampir oder weiterleben als Verseuchte. Sie entscheidet sich für das Vampirdasein. Jetzt ist sie selbst ein Wesen, das sie als Mensch abgrundtief gehasst hat.

Ein Buch über ein junges Mädchen, das unervermittelt zum Vampir wird und sich nun mit dieser neuen Lebenssituation zurechtfinden muss – nicht besonders neu. Neu ist das Außenherum. Allison lebt in einer Danach-Welt. Hier ist es ein „nach der Seuche“. Die meisten Menschen wohnen inzwischen im Schutz der Vampirstädte, weil ein Leben außerhalb zu gefährlich wäre. Außerhalb der Schutzmauern leben die Opfer der Seuche, die Verseuchten, weder lebendig, noch tot, aber dumm und aggressiv und außerdem hochansteckend. Manche würden vielleicht auch Zombies dazu sagen. Auf der anderen Seite gibt es die Vampire, die am ehesten eine Chance gegen die Verseuchten haben, weil sie natürlich viel schneller und stärker sind als Menschen. Gegen die Seuche sind aber auch nicht vollständig immun.

Die Vampire haben sich ein bequemes Leben eingerichtet. Ihre Opfer halten sie sich immer schön in der Nähe mit Versprechungen auf ein bisschen Wohlstand und Sicherheit. Dafür müssen sich die Menschen an gewisse Regeln halten. Lesen ist beispielsweise verboten. Willkürliche Menschenjagden stehen auf der Tages-, besser gesagt auf der Nachtordnung, auch wenn die Vampire sich gern ein bisschen menschenfreundlicher geben, indem die meisten Menschen einfach mit Blutabnahmen (dem Blutzoll) davonkommen.

Kein Wunder also, dass Allison die Vampire hasst, die die Menschen wie Nutzvieh halten. Zu blöd, dass sie nun selber einer ist.

Das Setting der Geschichte ist eigentlich spannend. Eigentlich, denn das ist es auch bei Kagawas Feen-Büchern. An was es mangelt?

Allison, die Vampirbraut

…hat mich leider nicht überzeugt. Natürlich ist eine Person, die elternlos und in einer zerstörten Umgebung aufwächst, nicht unbedingt eine liebreizende Person, sondern zwangsläufig irgendwie mürrisch und einzelgängerisch. Aber Allison blieb doch ein sehr dünn beschriebenes Blatt Papier. Weil das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist, muss Allison als Figur aber tragen können. Denn wir Leser müssen uns ja mit ihr herumschlagen. 600 Seiten sind eine lange Zeit.

Bis Allison auf eine Gruppe von Menschen trifft, die auf der Suche nach „Eden“ sind, bleibt die Geschichte auch merkwürdig ziellos. Allison hat keine Lust auf Vampirgesellschaft, deswegen schlägt sie sich durch die Pampa. Was für ein Glück für den Leser, dass sie sich der Menschengruppe anschließt und wieder ein bisschen Interaktion in die Geschichte kommt. Wie Allison versucht, sich als Mensch auszugeben und wie sie einem der jungen Männer der Gruppe näher kommt, macht dann den Rest des ersten Buches aus. Dazu ein bisschen „wie können wir die Seuche bekämpfen“ und ein bisschen „Suche nach einem Ort, wo Menschen sicher leben können“.

Das Ende vom Lied

Die Geschichten von Kagawa, habe ich den Eindruck, sind gerade so an der Grenze zur Langeweile. Ich wollte schon wissen, wie es weitergeht, aber gleichzeitig war es beschwerlich, mich durch die vielen Seiten durchzukämpfen. Ich habe gerade so durchgehalten. So eine Art von Geschichte ist das.

Zusammengefasst: Das Setting ist stark, die Geschichts- und Charakterentwicklung aber schwach und oberflächlich. Außerdem viel Teenagergesülze, dazu ein ordentlicher Schuss Grausamkeit. Muss man nicht lesen, es schadet auch nicht wirklich viel. Eine gute Inhaltszusammenfassung tut es aber auch.

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Cocoon – Die Lichtfängerin

Dieses Jugendbuch von Gennifer Albin wurde im letzten Herbst von INK Egmont herausgebracht und fiel mir durch das helle Buchcover auf. Ich ordnete es sofort einer bestimmten Kategorie Jugendbuch zu – einer eher lahmen Geschichte mit ein bisschen Fantasy- aber noch mehr Liebeskitschanteil.

Wie sehr ich mich doch durch solche Äußerlichkeiten täuschen lasse. 😉

Inhalt

IMAG1226-1-1Adelice hat eine besondere Gabe – sie nennt es einen Fluch – die sie für die Regierung interessant macht. Sie ist eine Webjungfer – sie kann den Stoff der Welt neu verweben. Deshalb ist sie dazu auserwählt, in den Türmen des Konvents zu wohnen und bis an ihr Lebensende das Schicksal der Welt Arras zu weben. Dumm ist nur: Adelice will nicht. Denn in die Türme des Konvents zu ziehen heißt, ihre Familie niemals wiederzusehen und niemals eine Familie gründen zu können.

Leider hat Adelice in der Hinsicht keine Wahl. Wie überhaupt niemand in Arras eine Wahl hat. Das Leben wird vom Konvent bestimmt und das in jeder Hinsicht, bis hin zu der Entscheidung, wer wie viele Kinder auf die Welt bringen darf. Adelice‘ Eltern wehren sich gegen dieses System und bekommen die harte Strafe zu spüren: sie werden bei dem Versuch umgebracht, Adelice zu verstecken. Adelice selbst wird nur deshalb verschont, weil ihre Gabe außerordentlich groß ist. Im Konvent selbst ist sie durch die Erfahrung des Verlusts allerdings so auf Abwehr eingestellt, dass sie sich von ihren neuen Vorzügen nicht einlullen lässt. Luxus? Wie kann sie den genießen, wenn sie weiß, dass sie nicht frei sein kann.

Sie will fliehen. Nur wohin? Jeder Ort in Arras wird durch die Webjungfern überwacht. Unerwarteten Beistand bekommt sie von Jost, einem Mann für alles in den Türmen des Konvents. Auch Erik, ein hochrangiger Assistent, scheint sie zu mögen und zu unterstützen. Aber wie kann Adelice überhaupt noch jemandem vertrauen?

Simples Jugendbuch…oder?

Viele Jugendbücher haben interessante Ansätze und neue Ideen für Geschichten, die es (gerade in der Fantasy) tatsächlich so noch nicht gab. Ich denke da an Julie Kagawas Feenbücher, in denen das Feenreich leider nicht so traumhaft ist und deswegen auch die Bücher so eine gewisse negative Grundstimmung haben. Aber viele Bücher, unter anderem eben die genannte Reihe, sind einfach nur lahm geschrieben. Kaum ausgereife Gedanken und Geschichten und meistens irgendwie unsympathische, flache Charaktere.

Wie sieht es mit Cocoon aus? Ist dieses Buch besser?

Ich sage ganz klar ja. Schon der Einstieg in die Geschichte ist weit sorgfältiger gewählt als so manch anderer. Er macht neugierig, indem er gleichzeitig vieles aussagt, aber dem frischen Leser wenig verrät – weil der zu diesem Zeitpunkt noch nichts weiß.

Bei Cocoon vermischen sich Jugendbuch, Dystopie, Fantasy und Science-Fiction. (Wobei Dystopien ja generell eine Unterart von SF sind, aber ich zähle sie hier einmal einzeln.)

Dem Jugendbuch ist geschuldet, dass die Charaktere allesamt noch recht jung sind und natürlich die erste Liebe eine Rolle spielt. Aber zu meiner Erleichterung wird nicht seitenlang darüber palavert, wie toll doch A oder B aussehen und wie man sich fühlt.

Die Dystopie entblättert sich recht schnell, weil ich sofort an Brave New World oder 1984 denken musste: eine Welt, in der alles fremdbestimmt ist, angeblich zum Wohl der Menschen. Dadurch bekommt das Buch einen sehr düstern Grundton, im krassen Gegensatz zum Cover. Bzw. – passt es dadurch, dass das ganze Leben der Menschen durchleuchtet ist. Privatssphäre ist nicht mehr.

Die Zutat Fantasy äußert sich durch das Konzept der Webjungfern: Frauen, die die Gabe haben, Stränge der Welt zu nehmen und zu verweben. Webjungfern weben Nahrung, das Wetter, sie können Menschen von einem Ort zum nächsten weben – sie weben aber auch Menschen aus der Welt. Zum Beispiel Menschen, die dem Konvent gegenüber kritisch eingestellt sind. Webjungfern weben solche Menschen und die Erinnerung an sie eben einfach weg.

Der Science-Fiction-Anteil offenbart sich nach und nach. Erst dadurch, dass die Welt Arras eine äußerst fortgeschrittene Welt ist. Doch das ist längst nicht alles. (Aber das an dieser Stelle schon offenzulegen, wäre dann doch ein zu fieser Spoiler.)

Cocoon ist gut geschrieben – besser als z.B. die Bücher von Julie Kagawa – und hat mich als Erwachsene überzeugt. Ich kann mich zwar gut in Jugendbücher einfinden, aber sie haben doch einen recht typischen Stil, der schnell langweilt und mich nicht wirklich packt. Cocoon hat mich definitiv gepackt und ist meine Empfehlung für Leser, die mit Jugendbuchreihen im Normalfall nichts anfangen können.

Leider wird die Reihe in  Deutschland so schnell nicht fortgesetzt. „Altered“, der zweite Band der Crewel-Reihe, erscheint am 3. Oktober dieses Jahres.

Askir und Götterkriege

In meinem Mai-Urlaub habe ich endlich die Vorgeschichte von der Reihe „Die Götterkriege“ gelesen – etwas, was ich mir schon lange vorgenommen hatte. Schon die „Götterkriege“ haben das, was richtig gute Fantasy-Reihen brauchen: interessante Charaktere, dazu eine Dichte und Komplexität von den Handlungen der Charaktere und der überspannenden Handlung, eingeflochten in eine gut ausgearbeitete Vergangenheit und Gegenwart der Welt.

Faszinierend sind ja vor allem solche Geschichten, die auch beim zweiten oder dritten Mal Lesen einen Aha-Effekt hervorrufen können – und beim ersten Mal genügend Geheimnisse andeuten, damit man unbedingt weiterlesen will. „Götterkriege“ war für mich eine solche Serie. Der Effekt wurde ja noch verstärkt dadurch, dass ich Askir nicht gelesen hatte. Für mich war schon Geheimnis genug herauszufinden, wie die Figuren zueinander standen und woher sie sich kannten.

Deswegen war ich so ungeheuer gespannt auf „Die Geheimnisse von Askir“ (sowie „Die Eule von Askir“). Und es hat sich gelohnt: ich wusste ja, wie sich vieles entwickelt, aber wie es dahin kommt, das habe ich so nicht immer erwartet.

Am meisten war ich wohl überrascht, wie das Dreiergespann Havald, Leandra und Helis zustande kam und sich vor allem entwickelt hat. Und: wie wenig Zeit vergangen ist zwischen Beginn der Geschichte und den aktuellen Ereignissen.

Im Moment lese ich wieder die „Götterkriege“, diesmal mit dem Vorwissen aus der „ersten“ Reihe. (Ich würde Götterkriege 3 eher als Askir 9 bezeichnen…) Und ich bin erstaunt, was ich alles entdecke.

Das Geheimnis des verschollenen Kaisers und der Kaiserin, Jerbil Konai und seine Kameraden, die unter neuem Namen wieder aufgetaucht sind und sich so langsam zu erkennen geben. Dinge, die ich beim ersten Mal überlesen habe, oder die ich auch schon wieder vergessen habe, ergeben plötzlich einen Sinn.

Es macht einfach Spaß, diese Reihe zu lesen. Richard Schwartz hat einen angenehmen, nüchternen Schreibstil, seine Charaktere sind wirklich interessant, die Verflechtungen machen Spaß, entwirrt zu werden. Und dabei ist seine große Geschichte so schön in kleine Geschichten verpackt, dass man manchmal fast vergessen kann, dass es letztendlich immer nur die eine Geschichte ist: der Kampf von Askir gegen Thalak. Ist es zu weit gegriffen, wenn ich diese Reihe mit „Lied von Eis und Feuer“ vergleiche? (Sie sogar für ein wenig besser halte?)

Mich würde wirklich interessieren, welche Geheimnisse euch an „Askir/Götterkriege“ faszinieren. Hat jemand schon eine Ahnung oder Vermutung, woher Leandra stammt? Ich habe eine. 🙂

Rezension: Drachenkämpfer (Robin Hobb)

Nun ist es ja auch schon wieder einige Monate her, seit „Drachenkämpfer“, die Fortsetzung zu „Drachenhüter“, erschienen ist. Ich habe den Band mit den prophetischen Worten meiner Freundin im Hinterkopf gelesen, die da lauteten: „Du wirst schon merken, dass er Schwachstellen hat.“ Wie jetzt? Ein Roman von Robin Hobb mit Schwachstellen?! Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber sehen wir selbst.

Inhalt

Alise, Thymara und Sintara, die Drachin, sind zusammen mit den anderen Hütern und Drachen auf dem Weg nach Kelsingra, der legendären Stadt der Altvorderen. Doch nicht alle haben das Wohl der verkrüppelten Drachen im Kopf. Manche von ihnen wurden heimlich angeheuert, um die wertvollen Körperteile der Drachen einzusammeln, sei es von den Lebenden oder Toten. Während im Hintergrund die skrupellosen Plünderer lauern, sind die Hüter uneins.

Vornehmlich ist dieser Band dem Wachsen gewidmet. Dem Wachsen der verkrüppelten Drachen, dem Wachsen der Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Und der Liebe. Ja, der Liebe.

Stetig vorwärts

Die Geschichte ist linear aufgebaut, Handlungsort ist der Regenwildfluss. Da bleibt wenig Platz für Abwechslung, aber stattdessen mehr Raum für die Entwicklung der Figuren. Und ja, das heißt nicht nur Tiefe der Charaktere, sondern manchmal auch das Genervtsein des Lesers über die neuerlichen Selbstmitleid-Phasen einiger Figuren.

Thymara, der man irgendwie die Pubertät anmerkt, weil sie zu stur und trotzig ist, um manche Dinge auch von einer anderen Seite her zu überdenken.

Alise, die viel zu naiv für die Welt ist und so lange Zeit aus ihrer ängstlichen Haut nicht herauskann, dass man ihr nur zu gern einen Schubs geben möchte.

Sedric, der völlig verblendet ist von seiner Liebe und zudem ein völliges Weichei.

Und natürlich Sintara, die arrogante Drachin. Von ihr liest man in diesem Band viel zu wenig, finde ich. Zumindest bleibt sie hinter den anderen Figuren deutlich zurück.

Da kommt die Angst auf: Werden sie sich je zusammenreißen?

Das Blatt wendet sich

Auch wenn viel (zu viel) Beziehungskram thematisiert wird und der Handlungsort immer derselbe bleibt, passiert einiges Beeindruckendes. Der Spannungsaufbau ist weiterhin vorhanden und findet einen großartigen Abschluss. Keine der Figuren befindet sich im selben Status wie am Anfang – jede hat gewisse Dinge für sich akzeptiert, sich weiterentwickelt und ist stärker geworden. Vermutlich brauchte es dafür viele der sentimentalen Phasen, die sich durch das Buch ziehen: um am Ende dem Leser vor Augen führen zu können, wie sehr sich Thymara, Sedric und Alise verändert haben. Somit wird die Schwäche des Buches gleichzeitig zu seiner Stärke. Also ja: Sie werden sich zusammenreißen.

Geheimnisse

In diesem Band offenbart sich neben den alten Namen der Drachen, die ich ja nun schon seit den Zauberschiffen verfolge, auch die Identität des Teermanns. Besonders für diejenigen, die die Zauberschiffe mit Interesse gelesen haben, die Maulkins Knäuel und dessen Schicksal mit Anteilnahme verfolgt haben, sollten die Regenwildnis-Chronik lesen. Man erfährt einiges über die Altvorderen und deren Entstehung, was natürlich einer der Hauptgründe für mich ist, das Buch weiterzulesen. Gut verteilt über das Buch werden einem neugierigen Leser wie mir immer wieder ein paar kleine Häppchen hingeworfen. Mehr davon, mehr! Mehr!

Vergleich zu den anderen Reihen

Nun, da ich selbst (fast) alle Geschichten von Hobb gelesen habe bzw. alle Welten kenne, kann ich einen guten Vergleich ziehen. Die Regenwildnis-Chroniken sind deutlich weiblicher geschrieben, was man nicht ganz damit entschuldigen kann, dass die meisten der Hauptfiguren weiblich sind. Das war in den Zauberschiffen schließlich auch der Fall. Ich nehme an, es ist vor allem Alise geschuldet, die sehr viel ängstlicher ist als die meisten von Hobbs Charakteren. Doch die Kulisse für ihre Sanftheit bildet die wohl härteste Umgebung, nämlich der Regenwildfluss. Und dieser Fluss ist definitiv ein Bonus, der sogar die „liebliche“ Seite der Chroniken ausgleichen kann. Bei keinem anderen Roman von ihr war ich so auf die Entdeckung dessen fixiert, was sich hinter der nächsten Kurve, hinter der nächsten Abzweigung verbirgt.

So lasse ich also alle schimpfen, diese Romanreihe reiche nicht an die anderen heran. Denn das stimmt nicht. In keinem anderen wurde eine solche Spannung allein dadurch erreicht, dass die Hauptcharaktere einen Fluss hinauffahren.

Fazit: Ein Roman, bei dem man sich manchmal über die Charaktere aufregen muss, der aber dennoch so viele interessante Handlungsstränge und Geheimnisse bereithält, dass man etwas verpasst, wenn man ihn nicht liest.

Erscheinungsdatum des dritten Bandes ist bisher noch nicht bekannt. Laut Heyne ist er noch nicht fest geplant, aber im Gespräch. Heißt wohl, der kommt dann erst in einem Jahr raus. „City of Dragons“ (Band 3) ist auf Englisch im Februar 2012 erschienen, der letzte Band („Blood of Dragons“) erscheint im Februar 2013.

Ausgelesen: Lieder der Erde (Elspeth Cooper)

Ein junger Mann, eine große Begabung, eine Flucht. So hatte ich Elspeth Coopers „Lieder der Erde“ in meinem Angelesen beschrieben. Klingt recht banal.

Doch zum Glück wendet sich das Blatt, als Gair in Alterans Schule kommt und feststellt, dass sie eher einem großen Internat als einer kleinen exklusiven Hausschule ähnelt. Ich gebe gern zu, dass ich Internatsgeschichten mag. Durch ihre Ortsunflexibilität müssen sie mehr auf Beziehungen der Schüler untereinander bauen, die einem Buch durchaus mehr Spannung geben können als das Eilen von einem Ort zum nächsten. Hier wird der Autor viel mehr gezwungen, seinen Figuren einer Entwicklung auszusetzen.

Ist das hier geschehen? Nicht so ganz, finde ich. Man lernt vor allem, dass Gair sehr begabt ist. Das hat man schon vermutet und es gehört ja gewissermaßen auch zu einem typischen Repertoire. Es ist auch nicht uninteressant, herauszufinden, wie besonders eine Buchfigur ist. Dennoch hätte ich gehofft, dass Gair mehr Freundschaften schließt und mehr mit anderen Personen interagiert.

Am interessantesten neben Gairs Ausbildung ist wohl vor allem, dass sich zwei größere Hauptkonflikte abzeichnen. Zum einen sieht sich das Reich bedroht von rebellierenden Wüstenstämmen, weil es längst nicht mehr über seine alte Truppenstärke verfügt. Zum anderen ist da die Bedrohung der Verschmelzung zweier Welten, weil der schützende Schleier zwischen ihnen zu zerreißen droht. Durch verschiedene Akteure kann man als Leser die verschiedenen Handlungsstränge gut verfolgen und beobachten, wie sich langsam eine immer größere Gefahr aufbaut. Daher bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band.

Fazit: Sprachlich gut, aber nicht überragend, hat sich dieses Buch vor allem durch die Wahl eines festen Handlungsortes von anderen Reihen abgehoben. Gair ist ein solider Charakter, den man mögen kann und dessen Bestimmung ich zumindest interessiert verfolgt habe.

Info: „Lieder der Erde“ ist der Auftakt der auf vier Bände angelegten „Wild-Hunt“-Reihe. Im Juli kommt der zweite Band in den USA, während der deutsche noch bis zum 13. Februar 2013 auf sich warten lässt.

Elspeth Coopers Website

Ausgelesen: Legende von Shannara 1 (Terry Brooks)

Es ist schon eine Weile her, dass ich Legende von Shannara – Die Hüter des schwarzen Stabes gelesen habe. Leider ist mir vieles dazwischen gekommen…. 😦 Krank sein ist doof, Umzug auch!

Legende von Shannara, Legende Terry Brooks

Terry Brooks, ein großer Name, auch ein großer Autor?

Zu Sider Ament und Panterra gesellen sich noch zwei weitere Charaktere, aus deren Sicht erzählt wird. Phryne, eine Elfe, und Deladion Inch, ein Mensch von außerhalb des Tals. Deladion Inch ist aufgrund seiner Herkunft neben Sider Ament einer der interessanteren Charaktere, aber mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht der Grund für sein Mitmischen.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Elfen mit ihrem lockeren Mundwerk kein sehr typisches Bild abgeben. Denn Anmut ist nicht unbedingt die Eigenschaft, mit der ich die mir bisher bekannten Elfen in dem Buch beschreiben würde. Sie unterscheiden sich meines Erachtens nicht wirklich von den Menschen. Interessant ist auch die fehlende Magie der Elfen. Normalerweise denkt man, dass diesen beiden Komponenten nicht getrennt sein können – in diesem Buch schon. Man kann also gespannt sein und miterleben, wie die Elfen ihre Magie wiederfinden. Was mir weniger einleuchtet, ist die Tatsache, dass immer wieder betont wird, sie seien in diesem abgeschiedenen Tal für sich isoliert. Denn diese Isolierung trat in meinen Augen kaum in Erscheinung.

Weiterhin zugute halte ich dem Autor, dass er nicht, wie der Klappentext beschreibt, die Suche nach einem magischen Gegenstand zum Hauptthema macht, sondern den Konflikt zweier sehr unterschiedlicher Welten. Dieser Konflikt trägt auch das Buch.

Wenig plausibel dagegen erschienen mir die Kinder des Hawk, oder besser: die Macht dieses religiösen Ordens. Wie kann ein Orden eine solche Macht haben, dass er Menschen das Andersdenken verbieten und sie zur Flucht aus ihrer Heimat treiben kann, ohne dennoch ein allgemeingültiges Dogmazu haben? Hier schien mir die Macht des Ordens in den verschiedenen sozialen Bereichen zu ungleich konstruiert.

Schreibstil, Storyaufbau, Charaktere: Alles in allem nicht weltbewegend. Ich gebe zu, irgendwo tief in meinem Inneren habe ich mich gepflegt gelangweilt. Nicht sehr, aber so mitreißend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, war es nicht. Die Charaktere mochte ich, aber mich verbindet auch keine besonders große Liebe zu ihnen.

An manchen Stellen sind mir auch Logikfehler aufgefallen, die sich aber weniger auf die Story als auf einzelne Sachen bezogen haben. Da war es einmal Herbst, ein andermal Frühling, Tag wechselte plötzlich zu Nacht – ich weiß nicht, ob man das Terry Brooks oder dem Übersetzer zu Lasten legen soll.

 Fazit: Shannara ist ein mittelmäßig mitreißender Roman mit einem Konflikt, der einiges erhoffen lässt.

Daher eher: Terry Brooks, ein großer Name, ein durchschnittlicher Autor. Vermutlich wäre mir überhaupt nicht aufgefallen, dass er mich nur mäßig mitreißt, hätte ich in dieser Zeit nicht auch noch sehr viel bessere Autoren gelesen. In einem Umfeld, wo es vor aufregenden Ideen und viel größerem Schreibtalent nur so wimmelt, kann Shannara schwerlich sehr gut abschneiden.

Ausgelesen: Drachenhüter (Robin Hobb)

Eigentlich habe ich viel zu lange mit einem Ausgelesen gewartet. Denn bald schon erscheint der zweite Band. Aber da ein Angelesen immer nur bewusst die ersten Eindrücke wiedergeben soll, mache ich es dennoch.

Robin Hobb kann es einfach. Sie kann erzählen, wie sonst kaum einer in der Fantasy-Zunft. Sicher, man muss die Geduld haben, ihr zu folgen, sich auf ihre Erzählweise einzulassen und nicht vorstürmen zu wollen wie ein junger Hund. Aber wenn man die Geduld hat, wenn man eine ausgereifte Geschichte lesen möchte: Dann greife man zu Robin Hobb!

Denn ihre Charaktere, ihre Handlung, ihre Geheimnisse – sie weiß es zu erzählen und Schicht für Schicht zu entblättern, immer gerade so viel an Enthüllung zu gestatten, dass es den Leser weiter antreibt. Trotz ihrer langsamen Erzählweise finde ich „Drachenhüter“ immer noch spannender zu lesen als die wesentlich schnelllebigeren „Shannara“ und „Lieder der Erde“.

Und mit Drachen drin!

Vor allem die Drachen gefallen mir hier.

Sie sind launisch, unberechenbar, ungeheuer eitel und arrogant – und Krüppel. Sehr akribisch wird ihr Bild gezeichnet, zum einen durch die Legenden, die sich immer wieder einschleichen, zum anderen durch die wechselnden Sichtweisen der Hüterin Thymara, der Forscherin Alise und der Drachin Sintara. Während Thymara einen unverstellten Blick auf Sintara hat und Mitleid für ihren verkrüppelten Körper empfindet, aber Abscheu vor ihrem Charakter, ist Alise gebannt – weniger von Sintaras wahrem Wesen, sondern von den Legenden, die sich um die Drachen spinnen. Alise sieht Sintara also nur durch den Schleier der Vergangenheit. Und in diesem Schleier, in diesem Glanz lebt Sintara. Sie fühlt sich den Menschen überlegen, wie es sich für ihre Art gehört. Doch sie spürt die Diskrepanz zwischen ihrem wahren alten Ich und ihrem Körper. Das macht sie nicht nur arrogant und launisch, sondern auch verbittert.

Verpuppen, schlüpfen, dahin vegetieren und endlich zum ersten Mal selbst jagen – durch die Sichtweise Sintaras wird uns all das nahegebracht. Es klingt so wahrhaft tierisch. Und so sind die neuen Drachen ja auch. Kaum mehr als Tiere. Und dennoch: eben mehr. Eben das, was Legenden aus ihnen machen.

In der neuen Reihe von Hobin Hobb wird wunderbar mit dem Klischee der Drachen gespielt, die vielleicht edel und meistens auch intelligent sind, aber ansonsten unerträgliche Biester, die vor allem deshalb so schrecklich arrogant sind, weil sie zu groß sind, um sie einfach zu ignorieren.

Trotzdem fällt es schwer, Sintara nicht zu mögen. Das muss man so sagen.

Fazit: Wenn ihr unbedingt Drachenbücher lesen wollt, weil Drachen tolle Wesen sind, dann könnte Drachenhüter von Robin Hobb euch vielleicht etwas erschrecken. Drachen gibt es zuhauf, aber eben nicht unbedingt die, die man so erwartet. Aber wenn ihr eigentlich schon längst keine Drachenbücher mehr sehen könnt, dann greift unbedingt zu Drachenhüter!

Zusatzinfo: Drachenhüter ist im selben Universum wie die Zauberschiffe-Reihe angesiedelt, die in Deutschland aber leider nicht mehr erhältlich ist. 😦 Wie so viele Romane von Robin Hobb. Band 2 erscheint im Juli.